Dienstag, 1. Mai 2012

The Grey (MacGyver in Alaska)


Liam Neeson scheint seit ein paar Jahren auf Actionfilme abonniert zu sein. Vielleicht will er das werden, was Bruce Willis in den 90ern war - ein richtig harter Kerl also. In The Grey spielt er einen Scharfschützen im Auftrag eines großen Ölkonzerns in Alaska. Seine Aufgabe ist es die Arbeiter vor Übergriffen von aggressiven Wölfen zu schützen. Als er zusammen mit ein paar anderen Arbeitern der Firma den Rückweg nach Hause antritt, gerät ihr Flugzeug in einen Schneesturm und stürzt hinab in die eisige Kälte von Alaska. Mitten im Nirgendwo müssen die Männer von nun an um ihr Leben kämpfen.

Nicht nur, dass es eisig kalt ist und sie nichts zu essen haben - zu allem Überfluss werden die Überlebenden auch noch von einer Gruppe angriffslustiger Wölfe gejagt. Und von nun an geht die Story fröhlich nach dem "Zehn kleine Jägermeister"-Prinzip weiter. Das Wolfsrudel agiert menschlich clever und jagt die Gruppe gestandener Männer knapp 100 langgezogene Minuten durch die Tundra. Anführer der Menschen ist Neeson, der als eine Art Alaska-MacGyver so ziemlich alles über Wölfe, das Land und das Leben weiß. Als Chef-Pfadfinder ist stets er es, der mit Mut und Courage voranschreitet oder seine Mitstreiter zur Raison ruft, falls es innerhalb der Gruppe zu Spannungen kommt.

Die Wölfe als Gegenspieler der Menschen erinnern entfernt an die Darstellung des aus einem Teil der Sherlock Holmes-Reihe bekannten Hundes von Baskerville: Wenn die verängstigten Männer zusammen um das Feuer stehen und von den zähnefletschenden Wölfen umkreist werden, so leuchten deren Augen phosphoreszierend im Dunkeln. Gleichzeitig wirken ihre schemenhaften Umrisse überlebensgroß. Diese Darstellung sorgt zumindest bei mir weniger für Angst vor den Tieren, sondern eher dafür, dass ich das ganze Treiben nicht so recht ernstnehmen kann. Es erscheint doch sehr konstruiert, dass die Wölfe alles jagen, was sich im Umkreis von 50 Quadratkilometern (meines Erachtens nach eine leidlich große Fläche) von ihrer Höhle befindet, um ihr Revier zu verteidigen. Warum sollten die Wölfe eine solche Anstrengung in einer unwirtlichen Gegend wie dieser auf sich nehmen? Und woher kommt die übermäßige Intelligenz der Wölfe, die schon fast mit militärischen Strategien agieren, um ihre menschliche Beute Stück für Stück zu dezimieren? Wirklich schlüssig werden diese Fragen nicht beantwortet.

Ein Leitmotiv der menschlichen Gruppe stellt der Gegensatz vom harten Kerl, den die Männer in der Ölfirma darstellen, und ihrem normalen Leben, das sie führen, wenn sie zu Hause bei ihren Familien sind, dar. So sehen sie jeweils kurz vor ihrem Tod die wichtigste Person ihres Leben, meist die Frau oder Tochter. Dies kann jedoch nicht über die Einfallslosigkeit des Grundthemas hinwegtäuschen. Die Charaktere sind bloße Stereotype, denen jedwede Tiefe abgeht. Die Männer lassen sich einer nach dem anderen abschlachten, bis am Ende natürlich nur Neeson übrig bleibt. Ob dieser überlebt, verrate ich an dieser Stelle nicht, ist aber eigentlich genauso belanglos wie der Film selbst.

THE GREY - UNTER WÖLFEN von Joe Carnahan (R, B) und Ian Mackenzie Jeffers (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Universum Film/Open Road Film

2 Kommentare:

  1. Wenn man von den Superwölfen absieht (vielleicht sind sie durch Industrieabfälle der Ölfirma mutiert :-), ist auch die Action nicht wirklich zufriedenstellend?

    AntwortenLöschen
  2. nicht wirklich, es gibt 1-2 spannende szenen aber der rest ist meiner meinung nach zu vorhersehbar und teilweise auch einfach nicht gut inszeniert.

    AntwortenLöschen