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Freitag, 14. März 2014

300: Rise of an Empire

Sieben Jahre dauerte es, bis Zack Snyders 300 eine Fortsetzung erhielt. Zwar war die Verfilmung des gleichnamigen Frank-Miller-Comics einer der erfolgreichsten Kinostarts 2007, aber die Geschichte weitgehend abgeschlossen - 299 Spartaner tot (Spoiler?). Wie gut, dass es damals nicht nur eine Schlacht bei den Thermopylen gab, sondern im Abwehrkampf gegen die Perser ungefähr zeitgleich die Seeschlacht bei Artemision.

Der Kriegsheld Themistokles (Sullivan Stapleton) versucht, eine griechische Armada aufzustellen und die nahende Perserflotte auf dem Meer aufzuhalten. Seine Überzeugungskraft kann leider nicht mit der seines gut aussehenden Körpers mithalten. Und so stellt er sich mit nur wenigen Schiffen, aber viel Kriegslist der riesigen Übermacht.

Rise of an Empire bietet mit Blick auf 300 eine ähnliche Ausgangslage als auch vergleichbare Erzählstränge: Statt der Geschichte Spartas wird nun eingangs der Ursprung des Perserkönigs Xerxes (Rodrigo Santoro) geschildert und die politischen Ränkespiele an der spartanischen Heimatfront werden durch griechische Verhandlungen um Kriegsbeitritt ersetzt. Beides dient vor allem dazu, die überlebenden Figuren bzw. Schauspieler aus 300 erneut aufzufahren.

Für die Haupthandlung sind die wiederkehrenden Charaktere wie Königin Gorgo (Lena Headey) und selbst Xerxes von geringer Bedeutung, der große Gegner Themistokles' ist Artemisia (Eva Green), die Kommandantin der persischen Flotte. Und Eva Green gibt wieder einmal alles: Die Inkompetenz ihrer Kapitäne nimmt sie gelangweilt und angenervt zur Kenntnis und rollt dabei mit ihren flackernden Augen. Statt sich aber später zu entkleiden, hätte ihr finaler Kampf ausführlicher und spektakulärer sein sollen. (Okay, bitte beides! :-)

Womit endlich der eigentliche Kern der 300-Filme angesprochen wurde: Stilisierte Scharmützel vor kunstvoll verfremdeten CGI-Kulissen, halbnackte Männer im Todestanz zu energischer Musik, schwelgende Zeitlupen. All dies funktioniert hier hervorragend, ist jedoch seit 300 und der Spartacus-Fernsehserie nicht mehr neu (letztere zelebriert die Gewalt stärker, während in Rise of an Empire "nur" roter Lebenssaft aus dem Computer spritzt).

Ein dramaturgisches Problem sind die Seekämpfe selbst: Zwar sehen tosende Wellen und brechendes Holz toll aus - das wie immer mäßig sinnvolle 3D schluckt viel Helligkeit -, aber die Kämpfe Mann gegen Mann drohen dabei unterzugehen. Denn in 300 führten die Perser wie in einem Videospiel immer stärkere Gegner ins Feld, hier ist eine solche Steigerung leider kaum zu finden, einschließlich des wie erwähnt genügsamen Showdowns.

Und noch etwas fehlt: 300 verbreitete das strittige Welt- und Menschenbild der Spartaner in völlig überhöhten, aber dadurch umso unterhaltsameren Monologen und Ansprachen. Bei Themistokles' gemäßigteren Griechen ist davon nicht mehr viel zu spüren, was zum Teil auch an der etwas leidenschaftslosen Synchronisation liegen mag.

Alles in allem ist Rise of an Empire für diejenigen empfehlenswert, die schon 300 mochten. Die Fortsetzung macht zwar nur wenig besser und einiges schlechter, aber das meiste ähnlich - ohne hohen Anspruch werden niedere Gelüste angesprochen. Und warum auch nicht.

300: RISE OF AN EMPIRE von Noam Murro (R), Zack Snyder (B) und Kurt Johnstad (B), USA 2014, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Warner Bros.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Mutant Chronicles (Mutantierte Kartoffel)


Die ferne, ferne Zukunft... sieht aus wie der Erste Weltkrieg. Eine Handvoll Weltkonzerne kämpft um die Vorherrschaft und verheizt ihre Soldaten in Gräbenkämpfen, Artilleriebeschuss und Gaswolken. Zwischendurch erzählt Bruder Samuel (Ron Perlman) von einer Jahrtausende alten Höllenmaschine. Die wird nun durch eine fehlgeleitete Granate reaktiviert und sofort kriechen unschöne Gestalten aus dem Schlund. Wenige Monate später steht die Erde vor der Niederlage, Evakuierungen zu anderen Planeten laufen auf Hochtouren und Samuel versucht mit einer kleinen Truppe, die Maschine und damit den Nachschub an dämonischen Kriegern zu vernichten...

Mutant Chronicles ist ein kruder Independentfilm nach dem gleichnamigen "Techno-Fantasy"-Rollenspiel aus Schweden, welches zwar ziemlich von Warhammer 40.000 klaut, aber trotzdem interessanter als die filmische Adaption ist. In der Vorlage wird ein Dimensionsportal am Rand des Sonnensystems aufgebrochen, wodurch die "Dunkle Symmetrie" und schließlich Dämonen eindringen. Erstere beeinträchtigt massiv den Einsatz von modernster Technik. Im Film findet sich davon leider nichts, warum es trotzdem nur archaische Feuerwaffen und Steampunk-Flugmaschinen gibt, bleibt ungeklärt. Der Look des Spiels wird nicht ansatzweise getroffen, immerhin sind die zahlreichen Computereffekte und virtuellen Sets trotz ausgewaschener Farben recht gelungen. Dafür nimmt sich vor allem zu Beginn die Dramaturgie und Montage erstaunlich unbeholfen und dilettantisch aus.

Überraschend viele bekannte Schauspieler finden sich ein (Thomas Jane, Devon Aoki, Benno Fürmann, John Malkovich), die Charaktere verbleiben jedoch blass. Die Kommandoaktion ins Herz des Bösen wird fahrlässig und schlecht vorbereitet durchgezogen, die Spannung ist überschaubar. Auch weil die Kreaturen - sicher dem Budget geschuldet - bloß entstellte Menschen mit Klauenarm sind; in der Vorlage gibt es zig verschiedene Monstren. An CGI-blutiger Gewalt wird immerhin nicht gespart.

Ein an sich nicht uninteressanter Genrebastard, der jedoch seine vorhandenen Schauwerte und inhaltlichen Möglichkeiten einem schwachen Drehbuch und inszenatorischen Mängeln opfert.

MUTANT CHRONICLES von Simon Hunter (R) und Philip Eisner (B), USA 2008, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Splendid Film

Samstag, 5. Mai 2012

Gefährten (War Horse)


Eigentlich habe ich keine Ahnung von Pferdefilmen. Ich denke höchstens an Black Beauty und Der Pferdeflüsterer - außerdem kommt mir auch immer wieder die Wendy in den Sinn. Black Beauty und Der Pferdeflüsterer habe ich nie gesehen und die Wendy nie gelesen, einen Pferdeexperten würde ich mich demnach nicht nennen.

Trotzdem habe ich mir Gefährten angeschaut, indem es um den Farmersjungen Albert (Jeremy Irvine) geht, dessen Vater (Peter Mullan) im Alkoholrausch ein viel zu teures und zur Landarbeit ungeeignetes Rassepferd ersteigert hat. Albert und das Halbblut freunden sich an, retten nebenbei fast die vor dem finanziellen Ruin stehende Farm seines Vaters und alles könnte im happy ever after enden, wenn nicht zufällig der Erste Weltkrieg ausbrechen würde. Um die Farm in der englischen Grafschaft Devon entgültig zu retten, verkauft der Vater das Pferd an die englische Armee; fortan sind Albert und Joey also getrennt. Joey ist zuerst in den Händen der englischen, danach der deutschen Armee, gefolgt von einem kurzen Intermezzo auf dem Hof eines französischen Bauern, um anschließend als Lastpferd den Franzosen zu dienen und sich letztlich im Niemandsland zwischen den Schützengräben englischer und deutscher Soldaten wiederzufinden. Klingt verwirrend und sprunghaft, wird jedoch im Verlauf des Films logisch nachvollziehbar erzählt und natürlich haben sich die Freunde Albert und Joey nach einer Odysee durch die Kriegswirren Europas am Ende wieder.

Regisseur Steven Spielberg verfilmte Gefährten auf Grundlage des Jugendromans War Horse von Michael Morpurgo und schafft es die verschiedenen europäischen Schauplätze allesamt visuell beeindruckend in Szene zu setzen. Manch einer wird sagen, dass diese Art visueller Zuckerguss etwas zuviel des Guten ist, aber mir persönlich haben sowohl die beeindruckenden englischen Landschaften als auch die von Spielberg schauerlich anmutig in Szene gesetzten Kriegsschauplätze in Frankreich gefallen. Gleichzeitig erzeugt Spielberg mit Joey eine starke Identifikationsfigur, so wird auch der Erste Weltkrieg zu einem Großteil aus der Sicht des Pferdes dargestellt. Zum Glück verzichtet er darauf, das Pferd selbst sprechen zu lassen, und erschafft durch gutes Zusammenspiel von Tier und menschlichen Charakteren sowie geschickter Kameradramaturgie eine packende Geschichte.

Die gelungenste und gleichzeitig bizarrste Szene des Films zeigt Joey gefesselt im Stacheldraht zwischen deutschen und englischen Schützengräben. Für einen kurzen Moment ruht deswegen sogar der Krieg und ein deutscher und ein englischer Soldat versuchen gemeinsam, das Pferd aus dem tödlichen Stacheldraht zu befreien: Das Pferd als Fremdkörper, als E.T.-ähnliche Figur, die dem Geschehen auf der Erde entrückt die Dinge mit anderen Augen betrachtet und Menschen verbindet. Man könnte es - positiv gesprochen - als typischen Spielberg-Moment charakterisieren, indem Freundschaft das zentrale Element darstellt.

Es muss nochmals ganz deutlich gesagt werden: Gefährten ist ein durch und durch kitschiger Film. Er ist meisterhaft und mit der ganzen Raffinesse und Erfahrung von Steven Spielberg inszeniert, aber am Ende wird hier eine märchenähnliche Geschichte mit viel Sentimentalität und Emotionen erzählt. Am deutlichsten wird dies, als am Ende des Films Vater und Sohn in einen Sonnenuntergang schauen, der in ein solch strahlend überzuckertes Rot getunkt ist, wie es die Filmwelt in der schönsten Rosamunde-Pilcher-Verfilmung noch nicht gesehen hat. Trotzdem hat mich der Film überzeugt, ich habe ihm seine Überlänge nicht angemerkt und war über zwei Stunden aufmerksamer Zuschauer. Also nennt mich kitschig, aber mir hat's gefallen - auch wenn ich kein Pferdefilmkenner bin.

GEFÄHRTEN bzw. WAR HORSE von Steven Spielberg (R), Lee Hall (B) und Richard Curtis (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Walt Disney/DreamWorks

Dienstag, 24. April 2012

Space Battleship Yamato (Käpt'n Iglo im Weltall)


Im Jahr 2199 befindet sich die Menschheit im interstellaren Krieg mit einer überlegenen Alienrasse, welche die Erdoberfläche durch Meteoritenbeschuss unbewohnbar gemacht hat. Die Niederlage scheint unausweichlich, als eine merkwürdige Botschaft eingeht und den Weg zu einem fernen Planeten weist. Die Yamato als letztes funktionstüchtige Kriegsraumschiff wird auf eine verzweifelte Erkundungsmission geschickt...

Space Battleship Yamato beruht auf einer gleichnamigen, nicht unbedeutenden Anime-Serie aus den 1970ern und übernimmt deren Handlung. Der Aspekt, dass die Yamato ein umgebautes japanisches Schlachtschiff aus dem Zweiten Weltkrieg (!) ist, wird leider nicht thematisiert. Nichtsdestrotrotz stehen auf dem Vorderdeck originalgetreue Geschütztürme, die nun Laserstrahlen abfeuern. Kommandiert wird die Yamato vom rauschebärtigen Kapitän Okita (Tsutomu Yamazaki), der meist mit starrem Hals seine Befehle ins Funkgerät nuschelt. Der eigentliche Protagonist ist jedoch Susumu Kodai (Takuya Kimura), aus dem Militärdienst ausgeschieden, aber Freiwilliger für diese entscheidende Mission. Kodai ist ein Tausendsassa, welcher in seiner Auszeit zwar einiges vergessen zu haben scheint - zum Beispiel militärischen Drill -, aber trotzdem sofort Brückenoffizier wird. Mit wallender Mähne darf er sogleich die mächtige Hauptwaffe der Yamato bedienen und ist auch sonst überall da, wo die Action abgeht oder Kameraden aus gemeinsamer Dienstzeit ihn anhimmeln.

Nur die attraktive Jagdpilotin Yuki Mori (Meisa Kuroki) ist wenig angetan von Kodai, aber natürlich wird sie seinen Haaren nicht lange widerstehen können. Zumal auf der Yamato Männer die Macher sind und ihr wenig vergönnt ist außer von Aliens abgeschossen zu werden, sich von Kodai retten zu lassen und zu heulen. Überhaupt: Die Diszipin auf dem Raumschiff ist unglaublich. Da wird jeder Kriegserfolg frenetisch beklatscht, keiner schaut mehr auf die Instrumente und militärische Vorsicht ist eh etwas für Weicheier! Vielleicht liegt dies daran, dass die Besatzung beinahe komplett sehr jung und gutaussehend ist. Aber nur die Frauen tragen eng anliegende Hosen und Stiefel, während eine Motorradjacke die Uniform geschlechterübergreifend vervollständigt.

So reist die Yamato durch das Weltall und liefert sich regelmäßig Gefechte mit den Aliens. Zusammen mit den Raumschiffsets ist das alles überraschend gut getrickst, auch wenn oft eher hektisch herumgeflogen und -geballert wird. Battlestar Galactica dürfte hierbei die stilistische Vorlage gewesen sein, wird aber nicht erreicht. Dafür entschädigt das grelle Dauerfeuer der Lasersalven - wenn es bloß längere Schlachten zwischen Großraumschiffen gäbe; Dogfights zwischen Jägern und halbgare Starship Troopers-Bodengefechte kommen übrigens auch vor. Zunehmend versucht der Film ernstere Töne anzuschlagen, was aber ob des übertriebenen melodramatischen Tonfalls sowie der zackigen Habachtstellungen (wenn die Besatzung sich mal daran erinnert) nicht wirklich gelingt.

Insgesamt sitzt Space Battleship Yamato leider zwischen den Stühlen: Nicht genügend ernsthaft oder glaubwürdig, aber andererseits zu wenig abgefahren. Die Weltraumaction könnte an den über zwei Stunden Laufzeit auch etwas mehr Anteil haben, während Protagonist Kodai überpräsent ist (jedoch ein versöhnliches Ende nimmt). Ein Rohrkrepierer wie Wing Commander, der U-Boot-Film im Weltall, ist Space Battleship Yamato trotzdem nicht.

SPACE BATTLESHIP YAMATO von Takashi Yamazaki (R) und Shimako Sato (B), Japan 2010, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Splendid Film