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Sonntag, 14. April 2013

Shortcuts: In der Hitze von L.A., Julia X & The Dead Outside

In der Hitze von L.A.


Der deutsche Filmtitel ist ebenso verfehlt wie "heiße Tamale", die Übersetzung des Originalnamens, denn Erotik und Essen sind nur Randerscheinungen - nackte Tatsachen und Lateinamerikaner kommen immerhin vor. Von einer tieferen Bedeutung des Titels braucht man nicht auszugehen, schließlich spielte Regisseur Michael Damian sein Leben lang in einer Daily Soap mit und Protagonist Harlan wird von Randy Spelling dargestellt, dem Sohn des TV-Produzenten Aaron Spelling. Aus dessen Serie Beverly Hills, 90210 schaut Jason Priestley für einen kurzen Gastauftritt vorbei, auch sonst sieht man ein paar bekannte Gesichter in Nebenrollen. Am Ende holt sich Carmen Electra noch ihre schnell verdiente Gage ab und damit war das Budget aufgezehrt: Die Polizei muss in normalen Autos herumfahren, Streifenwagen waren nicht mehr drin. Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Harlans Vaters, wird jedoch alsbald vergessen. So macht sich der Spross vom Lande auf in die große Stadt, um dort sein Glück zu finden. Alle Klischees erfüllend landet der Salsa-Schlagzeuger (!) ohne größere Probleme in einer Band und kommt im Vorbeigehen mit der attraktiven Tuesday (Diora Baird) zusammen. Harlan gerät aber in den Fokus von zwei Gangstern, die schließlich seine Freundin entführen, womit Diora Baird dann auch öfters abwesend ist bzw. nicht bezahlt werden musste. Doch trotz der einfallslosen Handlung und einer zu gewollt wirkenden Kamera und Montage wartet In der Hitze von L.A. mit überraschend lockeren Sprüchen und lustigen Szenen auf, was den stets durchschaubaren Film kaum langweilig werden lässt.

IN DER HITZE VON L.A. bzw. HOT TAMALE von Michael Damian (R, B) und Janeen Damian (B), USA 2006, IMDb, RT, FZ

Julia X


Kevin Sorbo entlarvte in der Werbung falschen "Jim Beam" und prügelte sich später als Hercules mit altertümlichen Göttern und Sagengestalten. In Julia X entpuppt er sich bald als Triebtäter und bei dessen Darstellung hat der meist auf Helden abonnierte Sorbo sichtbar Spaß. Vielleicht auch, weil der Killer sehr entspannt und gut gelaunt zu Werke geht. Dies ist aber leider seiner Bedrohlichkeit abträglich, steigert dagegen den Unterhaltungswert, wenn er seinem Blind-Date-Opfer Julia (Valerie Azlynn) entgegenschleudert: "Meine Manieren sind nicht mehr die allerbesten, aber dumme Fotzen wie du sind daran Schuld!" Pech für ihn, dass die "Fotzen" alsbald den Spieß umdrehen und sich eine Art extremer Rosenkrieg entspinnt. Dabei scheint das Geschehen von der Außenwelt entkoppelt und niemand nimmt Notiz von den blutigen Auseinandersetzungen. Probleme bekommt Julia X durch seine Unentschlossenheit: Nominell eine schwarze Horrorkomödie, jedoch sowohl nicht witzig als auch nicht erschreckend genug. Und viel zu ausführliche Versuche, die Charaktere mit Tiefe zu füllen, führen ebenso ins Leere. Desinteresse an den Figuren, der durchaus wendungsreichen Geschichte und damit dem Film ist die Folge.

JULIA X von P. J. Pettiette (R) und Matt Cunningham (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ

The Dead Outside


Eine Seuche greift um sich, lässt die Infizierten wahnhaft herumirren und aggressiv nach Hilfe verlangen. Die Zivilisation ist wohl noch nicht untergegangen, auf dem englischen Land aber bereits abwesend. Daniel (Alton Milne) sucht Unterschlupf in einem Haus und trifft dort auf die verschlossene April (Sandra Louise Douglas). Die Zweckgemeinschaft harrt der Dinge, bis eine Außenstehende (Sharon Osdin) auftaucht und das Gleichgewicht bedroht. The Dead Outside ist ein unspektakuläres Kammerspiel, welches die psychischen Belastungen nur anreißt und zudem die interessante Idee der irrsinnigen, aber zu unbedrohlichen "Zombies" kaum beleuchtet. Stattdessen nerven eingestreute Erinnerungen und Halluzinationen sowie eine wackelige Kameraarbeit. Die farbarme Digitaloptik kippt bisweilen gar ins Experiementelle mit harten Kontrasten, Unschärfen und unübersichtlichen Zooms. Was den langweiligsam erzählten, stellenweise recht atmosphärischen Film dann völlig abstürzen lässt, ist die groteske deutsche Synchronisation; die absurde Betonung macht die Dialoge zu dilettantischen Sprechübungen. Doch auch ohne diese Ausfälle ist der Wille der Macher zwar erkennbar, findet sich jedoch viel zu selten im Film wieder.

THE DEAD OUTSIDE von Kerry Anne Mullaney (R, B) und Kris R. Bird (B), UK 2008, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 31. März 2013

Shortcuts: Argo, Gnade & Kiss Kiss Bang Bang

Argo


Drei Oscars bekam Ben Afflecks dritte Regiearbeit Argo, inklusive "Bester Film" - für mich nur erklärbar durch den sehr amerikanischen Hintergrund: In den USA dürfte die Geiselnahme von Teheran weit bekannter als im Ausland sein, in deren Umfeld die CIA einige untergetauchte Amerikaner im Rahmen eines vorgegaukelten Filmdrehs aus dem Iran schmuggelte. Nach einem eindrucksvollen Beginn schildert Argo die Entwicklung und Vorbereitung des wahnwitzigen Plans, was zugleich einen Einblick in die Filmwirtschaft Ende der 1970er und Anfang der 80er gewährt. Der Film krankt trotz gediegener Inszenierung mit ausgewaschenen und grobkörnigen Bildern und einer authentisch wirkenden Ausstattung jedoch an der Dramatik seiner Ereignisse. Zum einen wird der vorgebliche Film (Science Fiction!) gar nicht gedreht, zum anderen ist der Verlauf der Aktion überraschend unspannend. Stolpersteine sind als solche klar erkennbar, die tatsächliche Flucht verläuft dann trotzdem zügig und glatt. Dies mag alles der realen Vorlage geschuldet sein, aber Argo ist eben keine Dokumentation und das Bedrohungsgefühl bei dem durchgehend feindseligen Umfeld schlicht zu gering.

ARGO von Ben Affleck (R) und Chris Terrio (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Gnade


Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmayr) wandern mit ihrem Sohn Markus (Henry Stange) aus beruflichen Gründen nach Norwegen aus. Der finstere Winter schlägt bald aufs Gemüt, auch weil sich die Familienmitglieder unterschiedlich schnell einleben. Doch dann überfährt Maria ein Mädchen und begeht Fahrerflucht... Gnade heißt der dreisprachige Film und diese wird der Familie nicht verwehrt. Ein hochemotionaler Leidensweg dahin bleibt jedoch aus, stattdessen wechseln sich die Charaktere regelmäßig als Unsympathen ab - das Mitgefühl des Zuschauers ist entsprechend gering. Hinzu kommt eine ziellose Episode um den Sohn, die an Benny's Video erinnert, aber zu losgelöst vom Rest des Films verläuft. So bleiben nur schöne Naturaufnahmen sowie knarzendes Holz und heulender Wind im winterlichen Norwegen. Und eine erschütternd unbeholfene Kommentierung der Filmhandlung durch ein Konzert im Rahmen eines weiteren überflüssigen Erzählstrangs.

GNADE von Matthias Glasner (R) und Kim Fupz Aakeson (B), Deutschland 2012, IMDb, RT, FZ

Kiss Kiss Bang Bang


Der eher trottelige Kleinkriminelle Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) landet zufällig als Schauspieler in Los Angeles und bald darauf mitten in einem vertrackten Mordfall, den er zusammen mit dem abgeklärten Privatdetektiv "Gay" Perry van Shrike (Val Kilmer) zu überstehen und aufzuklären versucht. Downey Juniors damaliger Comeback-Film ist gleichzeitig das Regiedebüt von Shane Black, der erst mit Iron Man 3 wieder als Regisseur tätig wurde. Sein empfehlenswerter Kiss Kiss Bang Bang ist eine clever konstruierte Groschenroman-Krimikomödie mit so spielfreudigen wie gegensätzlichen Protagonisten und schwarzem Humor, weist aber auch manch düstere Untertöne wie Kindesmissbrauch auf.

KISS KISS BANG BANG von Shane Black (R, B), USA 2005, IMDb, RT, FZ

Donnerstag, 7. Februar 2013

Shortcuts: Cat Run, Six Bullets & Ted

Cat Run


Catalina (Paz Vega) ist auf der Flucht, nachdem sie Zeugin wurde, wie ein korrupter Politiker (Christopher McDonald) im Lustrausch eine Edelhure erdrosselte. Nach einigen Irrungen und Wirrungen helfen ihr die selbsternannten Detektive Anthony (Scott Mechlowicz) und Julian (Alphonso McAuley) im Kampf gegen eine brutale Auftragsmörderin (Janet McTeer). Cat Run ist ein fehlgeleiteter Film: Die fluffigen Dialoge der Hobbyschnüffler sind bisweilen spaßig, doch der Buddy-Humor wirkt aufgesetzt und altbacken (z.B. quirliger Schwarzer mit Fiepssynchro). Als merkwürdigen Kontrast gibt es harte Gewaltszenen, die rücksichtslose Killerin macht keine halbe Sachen bzw. doch... Sie wechselt schließlich die Seiten, wird sogleich als Sympathieträgerin umgezeichnet und vom Protagonistentrio schnell akzeptiert - völlig unglaubwürdig angesichts ihrer Taten. Anthony macht auch eine Metamorphose durch: Anfangs ein nervig allwissender Sherlock-Holmes-Verschnitt, setzt er schließlich seine Brille ab, schmiert sich Gel ins Haar und ist dadurch sofort, äh, cool. Bis dahin zieht sich der gefällig fotografierte Film trotz überschaubarer Laufzeit hin, weil es zwar fortwährend Schauplatzwechsel in ganz Europa gibt, aber bis die Detektive überhaupt mit Catalina vereint sind, dauert es zu lange. Unentschieden in seiner Identität bleibt Cat Run eine Sammlung mal mehr und mal weniger gelungener Szenen und Charaktere.

CAT RUN von John Stockwell (R), Nick Ball (B) und John Niven (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ


Six Bullets


Jean-Claude Van Damme spielt den ehemaligen Söldner Samson Gaul (!), der seinen Lebensunterhalt mit dem Befreien von Entführungsopfern bestreitet. Eingangs rettet er einen Jungen aus einer unangenehmen Pädophilenvilla, bei der anschließenden Flucht sterben Unschuldige und diese Bilder verfolgen ihn seitdem. Derweil will der MMA-Kämpfer Andrew (Joe Flanigan) sein Comeback in Osteuropa einleiten, doch seine Tochter Becky (Charlotte Beaumont) wird aus dem Hotel entführt und die Polizei findet keine heiße Spur. JCVD ist ihre letzte Hoffnung, doch der Gebrochene weist die Eltern ab und widmet sich lieber seiner ranzigen Fleischerei. Daraufhin spielt er für längere Zeit keine große Rolle mehr und Andrew stellt eigenmächtig unbeholfene Ermittlungen an. Weil es klar ist, dass Van Damme schlussendlich helfen wird, gerät dieser ausgeprägte Zwischenpart zu weitgehend uninteressantem Füllmaterial - wie so oft bei Direct-to-DVD-Actionfilmen. Irgendwann legt Jean-Claude dann los und zeigt absolut keine Rücksicht mit den widerlichen Kinderschiebern. Beim finalen Sturm auf den schurkischen Unterschlupf verhalten sich alle Beteiligten recht beschränkt, besonders die Schufte, die JCVD erst anlocken, aber dann panisch feststellen: "Das ist der Metzger, der hat ein ganzes Arsenal dabei! Mit dem haben wir nicht gerechntet!" Und dann greift der auch noch tief in die Trickkiste, erklärt's aber zum Glück ausführlich, bevor den Bösewichten das Lebenslicht ausgeblasen wird. Die Action ist zwar von angemessener Härte, aber angesichts von fast zwei Stunden Laufzeit zu selten, zumal Charakterentwicklungen auch überschaubar bleiben. Warum müssen diese kleinen Actionfilme oft derart lang sein und dabei so viel Leerlauf aufweisen? Und Joe Flanigan (Stargate Atlantis) ist übrigens viel zu schmächtig für einen Kampfsportler und kommt stellenweise selbst wie einer der Schmierlappen rüber, die seine Tochter kidnappten.

SIX BULLETS bzw. 6 BULLETS von Ernie Barbarash (R), Chad Law (B) und Evan Law (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ


Ted


Eine typische Komödie, die niemandem weh tut und gemächlich vor sich hinplätschert: Die halbwegs clevere Idee eines lebendigen Teddybären, der mit "Erwachsenwerden" wie sein Besitzer und bester Freund unanständig rumdrogt und -hurt, reicht für einige gelungene Witze, aber besonders komisch oder kreativ ist der Film nie. Vielleicht auch, weil er eine moralisierende Geschichte um ewig junge Erwachsene abspult, die sich endlich dem Leben stellen sollen/müssen und entsprechend eine Entscheidung zu treffen haben (hier: kiffen mit Ted oder ficken mit Mila Kunis). Der Verlauf des eher braven Films ist daher weitgehend klischeehaft und vorhersehbar. Zudem ist das (Gag-)Tempo gelegentlich erstaunlich niedrig, z.B. beim Höhepunkt des Films, einer Privatparty mit Auftritt von Sam J. Jones. Das ist der Darsteller von Flash Gordon aus dem herrlich bekloppten SF-Film von 1980 und er spielt sich selbst. Solch nostalgischen Cameo-Auftritte funktionieren eigentlich immer, sind aber schlicht Selbstläufer. Und es hätte mehr gezündet, wenn das DVD-Menü nicht als allererstes Jones zeigen würde. Insgesamt muss man sich bei Ted nicht ärgern oder langweilen, Schmunzler und Lacher sind vorhanden - es bleibt jedoch zu viel Potential ungenutzt. Bis auf den tricktechnisch toll umgesetzten Bären würde man wenig verpassen. "Der Typ von Family Guy hat 'nen Kinofilm gemacht" lautet die platte Tagline - Einladung für die einen, Abschreckung für die anderen.

TED von Seth MacFarlane (R, B), Alec Sulkin (B) und Wellesley Wild (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Freitag, 30. November 2012

Shortcuts: 21 Jump Street, Night of the Demons & Thale

21 Jump Street


Depp(en)! Von der "kultigen" Jugendserie Ende der 1980er, die ich nie gesehen habe, zu einer chaotischen Kinokomödie - das kann ja heiter werden. Schmidt (Jonah Hill) ist ein Außenseiter an seiner Schule und tritt eingangs im Slim-Shady-Outfit auf. Dies wird natürlich mit Eminem-Mucke unterlegt, damit auch jeder Zuschauer den visuellen Gag versteht. Er und die Sportskanone Jenko (Channing Tatum) treffen sich später auf der Polizeiakademie wieder und helfen sich gegenseitig durch die Ausbildung. Schließlich landen sie aufgrund ihren jungen Aussehens als Undercover-Ermittler an einer High School und sollen einen Drogenring sprengen. Bis dahin muss der viel zu alberne Anfang überstanden werden und der unausgegorene Tonfall des Films wird ein Problem bleiben: Blödelfarce, Schulkomödie, Actionkrimi? Recht gewitzt spielt 21 Jump Street mit früheren und heutigen Jugendtrends und verdreht das typische Streber-Sportler-Schema, bleibt aber meist oberflächlich denn hintersinnig. Gelungen und Highlight des Films sind die abstrusen und unangebrachten Kommentare der Protagonisten, auch als gegen Ende überraschend blutig, aber stets undramatisch herumgeballert wird. Man kann lachen, manchmal.

21 JUMP STREET von Phil Lord (R), Chris Miller (R) und Michael Bacall (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Night of the Demons


Halloween! Maddie (Monica Keena), Lily (Diora Baird) und Suzanne (Bobbi Sue Luther) besuchen die langerwartete Party von Angela (Shannon Elizabeth) in einem leerstehenden Anwesen mit mysteriöser Vergangenheit. Doch nachdem die Polizei den Laden dichtgemacht hat, wollen ein paar Dämonen noch weiterfeiern... Die vollbusigen Darstellerinnen laufen natürlich in entsprechenden Kostümen herum bzw. irren bald kreischend durchs Horrorhaus. Hier ein bisschen Gore, da etwas nackte Haut und dort ein paar nette Monstermasken. Aufregend oder gruselig ist diese dämonische Nacht kaum, setzt auch mehr auf teils ganz lustige Witze. Plötzlich und völlig aufgesetzt wird dann das simple Geschehen haargenau erklärt, denn "die anderen sind jetzt Dämonen. Sie sind nicht mehr die, die wir kannten. Sie sind jetzt böse, sie sind fies, hinterhältig, mordlüstern und pervers". Die Erläuterungen sind jedoch überflüssig, da der Film mit einem passend im Stummfilmstil gedrehten Prolog beginnt - der bereits das Wesentliche vorwegnimmt. Nights of the Demons ist eine klischeehafte und günstige Horrorkomödie, immerhin einigermaßen spaßig samt Schauwerten für männliches Publikum (der aufgedunsene Edward Furlong dürfte das andere Geschlecht dagegen wenig begeistern).

NIGHT OF THE DEMONS von Adam Gierasch (R, B) und Jace Anderson (B), USA 2009, IMDb, RT, FZ

Thale


Schade! Das Filmplakat definiert mal eben den Begriff "Spoiler" neu. Aber ohne dessen Kenntnis entspinnt Thale langsam und wortkarg seine Geschichte von zwei Tatortreinigern (Erlend Nervold und Jon Sigve Skard), die am hellichten Tag - das verrät das Plakat nicht - eine abgelegene Waldhütte säubern müssen. Ein typischer Horroraufbau, aber die Spannung, als die beiden merkwürdige Kellerräume entdecken, wird durch die Entschleunigung und die lakonischen Protagonisten effektvoll verstärkt. Mit der Entdeckung einer jungen Frau (Silje Reinamo) bricht das Unheil immer noch nicht los, während sich Andeutungen mehren. Und dann wusste Regisseur und Autor Aleksander Nordaas offenbar nicht weiter und setzt neben einem bereits etablierten Erzählmittel zusätzlich auf konstruierte Rückblenden - der Erklärbär frisst den Film, der nun mit ausschweifendem und zumindest recht wortgewandtem Voice-over bisweilen gar an Die Wand erinnert. Ein kitschiges Ende darf ebenso wenig fehlen und gegen diese ganzen Fehltritte kommen die poetische Bildgestaltung, schöne Musik, Grundidee und ordentlichen Effekte schwerlich an.

THALE - EIN DUNKLES GEHEIMNIS von Aleksander Nordaas (R, B), Norwegen 2012, IMDb, RT, FZ

Freitag, 19. Oktober 2012

Moonrise Kingdom (Inselkoller)


Der zwölfjährige Sam (Jared Gilman) türmt 1965 aus einem winzigen Pfadfinderlager eines kleinen Eilands und bald verschwindet auch die ortsansässige Anwaltstochter Suzy (Kara Hayward). Während langsam ein Sturm aufzieht, suchen die Inselbewohner nach den Kindern...

Die erste und bisher einzige Begegnung mit Regisseur Wes Anderson trug sich vor einigen Jahren zu: Im Kreis der Familie ward das Fernsehgerät eingeschaltet und Die Royal Tenenbaums erglomm auf der Mattscheibe. Ob des merkwürdigen Humors immer leicht neben der Spur rissen alsbald Faszination und Irritation mich hin und her. Moonrise Kingdom ist seitdem Andersons vierter Langfilm und wirkt nicht mehr ganz so absonderlich: Die farbenfrohen 60er Jahre, eine oft wie ausgestorben wirkende Insel und die spleenigen Figuren sorgen von vornherein für eine irreale Atmosphäre. Bekannte Darstellergrößen spielen mit, aber der Fokus liegt auf den Kindern, deren sonderbare Verhaltensweisen - oft die von Erwachsenen - man leichter akzeptiert als bei spinnerten Erwachsenen. Komplettiert wird dieser artifizielle Mikrokosmos durch eine starre Kamera, die sich nur auf geraden Bahnen oder in 90°-Schwenks bewegt und so die Erschaffung des Filmraums und die Orientierung darin regelmäßig durchkreuzt.

Die eher simple Geschichte verläuft geradlinig, trotzdem schiebt sich ein allwissender Erzähler als realer, aber kaum eingebundener Charakter gelegentlich in Bild. Es klingen gewichtige Themen wie Familie, Liebe und Zugehörigkeit an, aber Unbeschwertheit und skurriler Humor überwiegen klar. Das Mädchen Suzy liest gerne phantastische Geschichten mit einer weiblichen Heldin und so eine bekommt der Zuschauer durchaus zu sehen, eine Sammlung an visuellen und narrativen Miniaturen. Ernsthaft dramatische Wendungen sind bald nicht mehr zu erwarten, weswegen Moonrise Kingdom zum stürmischen Finale hin auch etwas an Fahrt verliert.

Dies ändert nichts an dem warmen Wohlfühlklima des herrlich abgedrehten Films mit klarer, vielleicht etwas überstrapazierter inszenatorischer Linie und angefüllt von feinsinnigem, abstrusen als auch plakativem Witz. Schlicht schön.

MOONRISE KINGDOM von Wes Anderson (R, B) und Roman Coppola (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Tobis/Focus Features

Montag, 17. September 2012

The Cabin in the Woods (Metabolismus)


Das Spiel mit Erwartungen. Der Trailer zu The Cabin in the Woods nimmt auf den ersten Blick vieles vorweg und auch das Plakatmotiv scheint den doppelten Boden mehr als anzudeuten. Dass es zumindest kein klassischer Backwoods-Horror ist, wird spätestens offensichtlich, wenn eingangs zwei ältere Hemdträger (Richard Jenkins und Bradley Whitford) beim Smalltalk in einem merkwürdigen Bürokomplex auftreten und der erste Schockeffekt - von eher wenigen - der Filmtitel ist. Erst danach werden die Protagonisten eingeführt, eine Gruppe Studenten auf dem Weg in die Wälder. Doch die Holzhütte hält nur kurzzeitig juvenilen Spaß bereit und alsbald ist Überlebenskampf angesagt...

Die Last der Erwartungen. Sowohl Rezipienten als auch Rezensenten stellt The Cabin in the Woods vor Herausforderungen. Bereits der Hinweis, dass hier nicht alles so ist, wie es scheint, wird den Zuschauer beeinflussen. Gleichzeitig funktioniert der Film als traditioneller Vertreter des Genres eingeschränkt, da er dessen Mechanismen regelmäßig stört: Der fortwährende Wechsel zwischen Hütten- und Bürobelegschaft untergräbt den Spannungsaufbau, ebenso wie die eigentliche Horrorhandlung, welche insbesondere anfänglich als geradezu einfallslos bezeichnet werden kann.

Dekonstruktion und Metaebene. Dies steht auf der Carte blanche des Films und mag wie eine schmeichelnde Entschuldigung für vermeintliche Mängel wirken, doch die Autoren Drew Goddard (Cloverfield, Lost) und vor allem Joss Whedon (The Avengers) stehen für Glaubwürdigkeit aufgrund ihres bisherigen Schaffens. Und mit Horrorgrundkenntnissen ist es kaum zu übersehen. Die Selbstreflexion wird dabei weniger offen als in Scream oder auch Tucker & Dale vs Evil an- bzw. ausgesprochen, obschon der Kiffer der Truppe frühzeitig und bisweilen völlig willkürlich entsprechende Blicke durch den Spiegel wirft, dies aber natürlich als grünes Geschwafel abgetan wird.

The Cabin in the Woods bearbeitet das Horrorgenre mit einer ambitionslos wirkenden Geschichte, strotzt dabei vor Brechungen und Zitaten, sei es auf der Motiv-, Figuren- oder Handlungsebene. Nicht immer überstrahlt der Subtext das eher gewöhnliche Filmgeschehen und besonders im Finale tritt die Knappheit an erzählerischem Fleisch hervor, wird jedoch herrlich blutig serviert. Und das Filmende ist schlicht großartig (dieser Satz enthält eine Metaebene). Für Gelegenheitsgrusler vielleicht unbefriedigend, aber Pflichtprogramm für kundige Horrorfans.

THE CABIN IN THE WOODS von Drew Goddard (R, B) und Joss Whedon (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Universum Film/Lionsgate

Mittwoch, 18. Juli 2012

Kokowääh


Nach längerer Pause melde ich mich zurück mit der Besprechung eines cineastischen Krachers: Kokowääh - und jetzt bitte nicht Oh-weh schreiend davonlaufen. Zugegeben, das ist Deutschesromanzenmainstreamkino at its best. Aber muss das schlecht sein? Lassen wir uns das mal in Ruhe durchdenken.

Til Schweiger führt Regie. Til Schweiger spielt die Hauptrolle. Seine Tochter Emma Schweiger spielt die zweite Hauptrolle. Eine ziemlich schweigerisierte Angelegenheit also. Aus der Erfahrung der letzten Jahre weiß man, was man erwarten kann: gefälliger Soundtrack, einen nuschelnden Til Schweiger sowie ab und zu hübsche Frauen, die durchs Bild laufen und mit denen sein Alter Ego Ludo oder in diesem Fall Henry seine liebe Not hat.

Konkret sind es die Geister der Vergangenheit, die den Drehbuchschreiber Henry unerbitterlich einholen. Aus einer seiner vielen Affären ist seine inzwischen achtjährige Tochter Magdalena hervorgegangen - passenderweise gespielt von Schweigers eigener Tochter. Henry und Magdelena lernen sich erst kennen, als die Mutter wegen eines Jobs für einige Zeit nach Amerika muss und das kleine Mädchen vor der Tür des Herumtreibers absetzt. Im Rest des Films geht es darum, wie sich die beiden annähern und Henry langsam erkennt, dass er ab jetzt Verantwortung für sein eigenes Leben und auch für das Leben anderer übernehmen muss. Die Reifeprüfung eines Mittdreißigers. Insgesamt eine ziemlich vorhersehbare Geschichte die sich lässig schlurfend, unterbrochen von einigen Pirouetten, auf ihr finales Happy End zubewegt.

Fassen wir es kritisch zusammen: Die Geschichte ist nicht wirklich neu, der Soundtrack poppig-schnulzig und die Darsteller gut gelaunt, aber nicht oscarverdächtig. Mein "Problem": Trotzdem schaue ich mir solche, ja, nennen wir es ruhig Schnulzen immer wieder gerne an. Ob es nun Keinohrhase, Zweiohrküken oder die britischen Vorbilder wie About a Boy oder Tatsächlich Liebe sind. Zusammen mit Mutti oder der Freundin ergeben diese Art von Filmen eine wohlige Melange an zuckerwattiger Unterhaltung, bei der ich abschalten kann und mich gut fühle.

Heißt das Ganze dann Eskapismus? Fliehe ich aus meinem harten Leben in den popkulturellen Mainstream? Wahrscheinlich ist hier nicht der richtige Ort, um das zu diskutieren, aber ich möchte trotzdem hervorheben, dass ich großen Respekt davor habe, wie es Til Schweiger immer wieder schafft, große deutsche Produktionen quasi im Alleingang zu stemmen. Dabei gelingt es ihm Kinofilme zu drehen, die auch wirklich wie solche aussehen und nicht wie viele andere deutsche Produktionen den Vorabendserien im Fernsehen gleichen. Wahrscheinlich ist es wie mit einem Maxi-Menü bei McDonald's: Man weiß einfach, was man bekommt. Mag man auch immer wieder darüber schimpfen, aber im Endeffekt geht man trotzdem wieder hin und lässt sich das immer wieder Gleiche schmecken, weil es durchdacht ist und weil es eine gewisse Qualität hat.

PS: Für 2013 ist übrigens der zweite Teil von Kokowääh angekündigt. Ein sehr interessantes Interview, das ich im Nachgang an diese Besprechung gelesen habe, mit vielen klugen Fragen und Antworten gibt es hier.

KOKOWÄÄH von Til Schweiger (R, B) und Béla Jarzyk (B), Deutschland 2011, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Warner Bros.

Sonntag, 8. Juli 2012

Shortcuts: Du gehst nicht allein, Cashback & Point Black

Du gehst nicht allein


Temple Grandin ist eine US-amerikanische Tierwissenschaftlerin, die revolutionäre Nutztierhaltungsanlagen entwarf und an Autismus leidet. Du gehst nicht allein des Fernsehsenders HBO schildert wichtige Phasen ihres Schul- und Universitätsleben. Grandin wird dabei überzeugend von Claire Danes dargestellt, auch wenn das Alter von Figur und Schauspielerin nicht immer zusammenpassen (es ist unverkennbar, wieso Danes später die Hauptrolle in der hochklassigen TV-Serie Homeland bekam). Der Film findet eine gute Balance in der Thematisierung von Grandins Interesse an Tieren und ihres Autismus und verzichtet auf allzu emotionalisierende Szenen. Die bildhafte Wahrnehmung von Grandin wird durch Einblendungen und Fotomontagen visualisiert und lockert die generell entspannte und insgesamt sehenswerte Filmbiografie über Mut und Selbstvertrauen auf.

DU GEHST NICHT ALLEIN bzw. TEMPLE GRANDIN von Mick Jackson (R), Christopher Monger (B) und William Merritt Johnson (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ

Cashback


Ben (Sean Biggerstaff) hat sich von seiner Freundin (Michelle Ryan) getrennt. Oder sie von ihm? Seitdem kann er nicht mehr schlafen und arbeitet deswegen in der Nachtschicht eines Supermarkts. Cashback beginnt als  melancholisch angehauchte Trennungskomödie, die den Wunsch nach Vergessen als auch Festhalten der Beziehung beschreibt - je mehr das eine gewollt wird, umso stärker tritt das Gegenteil ein. Bens Schlaflosigkeit führt bald zu diffusen Zeitbeeinflussungen: Er kann die Zeit anhalten und nutzt diese eingefrorenen Momente für seine Malerei. Ansonsten albert er mit seinen skurrilen Arbeitskollegen herum und nähert sich auch einer Mitarbeiterin (Emilia Fox) an. Das alles ist sympathisch, aber die einzelnen Elemente wollen keine rechte Einheit bilden und lassen den Film unterhaltsam, aber unentschlossen auf ein klischeehaftes Ende zulaufen.

CASHBACK von Sean Ellis (R, B), UK 2006, IMDb, RT, FZ

Point Blank


Samuel (Gilles Lellouche) verhindert einen Anschlag auf das zwielichtige Unfallopfer Hugo (Roschdy Zem), worauf seine schwangere Frau Nadia (Elena Anaya) entführt wird. Samuel soll Hugo aus dem Krankenhaus schaffen und bald findet er sich zwischen den Fronten von Polizei und Verbrechern wieder. Point Blank ist ein schnörkelloser Actionfilm in der französischen Halbwelt, in der sich ausdrucksstarke Darsteller die Klinke geben - immer wieder beeindruckend, was für Gesichter in Filmen aus Frankreich auftauchen. Die Action konzentriert sich auf gekonnt inszenierte Verfolgungsjagden und Suchaktionen, reißt jedoch auch nicht vom Hocker. Leider wird die Geschichte schon früh aufgelöst und mündet in einem eher antiklimaktischen Finale.

POINT BLANK bzw. À BOUT PORTANT von Fred Cavayé (R, B) und Guillaume Lemans (B), Frankreich 2010, IMDb, RT, FZ

Mittwoch, 4. Juli 2012

Das A-Team: Extended Cut (B-Plan)

Vor einigen Jahren wurden vier Männer einer militärischen Spezialeinheit wegen eines Verbrechens verurteilt, das sie nicht begangen hatten. Sie brachen aus dem Gefängnis aus und tauchten in Los Angeles unter. Seitdem werden sie von der Militärpolizei gejagt, aber sie helfen anderen, die in Not sind. Sie wollen nicht so ganz ernst genommen werden, aber ihre Gegner müssen sie ernst nehmen. Also wenn Sie mal ein Problem haben und nicht mehr weiter wissen, suchen Sie doch das A-Team! 
So eloquent begann die Actionserie meiner Jugend: Das A-Team. Über fünf Staffeln hinweg verhalfen Hannibal, Face, Murdock und B.A. mit Automatikgewehren, Schweißgeräten, Muskelkraft und falschen Bärten den Unschuldigen und Unterdrückten zu ihrem Recht, wenn die Justiz nicht helfen konnte oder wollte. Vigilantismus zum Mieten - die Gegner des A-Teams waren sowohl die Outlaws als auch der Rechtsstaat. Im sorglosen Geiste der 1980er wurden fröhlich Autos geschrottet, Sprengsätze gezündet und Fressen poliert - aber als Fernsehserie kam (fast) nie jemand ernsthaft zu Schaden. Bis auf leichte Variationen in der eher vergessenswerten letzten Staffel lief die Überzahl der für sich stehenden Folgen nach dem stets gleichen Schema ab. Das geringe narrative Fundament dürfte aber kaum der Grund gewesen sein, warum die Kinofassung fast ein Vierteljahrhundert später realisiert wurde, eher mag das popkulturelle Gewicht (Mr. T & Co.) eine Rolle gespielt haben.

Die Adaption für die Leinwand fungiert nun als eine Art Prequel, welches das nicht begangene Verbrechen der Spezialeinheit zeigt oder auch B.A.s Flugangst erklärt. Die schnelle Zusammenführung des A-Teams zu Filmbeginn ist dabei arg von Hurra-Militarismus getrübt, dann sind schon einige Jahre vergangen, in denen die vier Männer sich als beste Sondereinheit der US-Armee einen Namen machten und nun die letzten Tage des Irakkriegs absitzen. In einem finalen Coup sollen Dollardruckplatten wiederbeschafft werden, doch nach erfolgreicher Mission werden sie hintergangen und nicht nur unehrenhaft entlassen, sondern auch ins Gefängnis gesteckt (wenig nachvollziehbar). Als sich die Chance zur Flucht ergibt, macht sich das A-Team auf, die wahren Schuldigen zur Strecke zu bringen und ihren Namen reinzuwaschen...

Das Team hilft also primär sich selbst, zumindest keinen unterdrückten Mitbürgern - der Film spielt ausschließlich im Geheimdienst- und Militärumfeld. Allzu störend ist diese Abweichung vom Serienkonzept jedoch nicht und die Streichung eines sich verkleidenden Hannibals empfinde ich persönlich als durchaus positiv. Leider viel zu kurz kommt der Bastelaspekt: B.A. und Co. schweißen keine Do-it-yourself-Panzer zusammen. Selbst der ikonische Serienvan, der eingangs zerstört wird, feiert nicht seine Wiederauferstehung.

Die titelgebende Truppe bleibt insgesamt ihren Eigenheiten aus der Serie treu. Liam Neeson - in den letzten Jahren als Actionrecke gegen das Altern unterwegs - gibt einen sehr passenden Hannibal ab, wenn auch ernster als George Peppard im Original. Lebemann Face wird von Bradley Cooper dargestellt, der den Frauenhelden gut trifft, aber mit seinem gestählten Körper, gegen den Dirk Benedict wie ein Hemd wirkt, etwas zu sehr nach typischem Actionstar aussieht. Problematischer wird es bei B.A. und Murdock. MMA-Kämpfer Quinton Jackson mimt ersteren einfach viel zu zahm! Er ist nicht mürrisch, er prügelt sich nur zu Beginn in der famosen Einführung seines Charakters und wird zwischendurch gar zu einem Pazifisten.  Kein Vergleich zu Mr. T! Auch die berühmten Kabbeleien mit Murdock laufen eher lustlos nebenher. Dwight Schultz' Paraderolle des durchgeknallten Piloten wird von Sharlto Copley gespielt, der einen schönen irren Blick beherrscht, aber den merkwürdig schwankenden Wahnsinn oft zu albern interpretiert (dies könnte jedoch auch an der deutschen Synchronisation liegen). Erwähnenswert ist noch die neue Figur Charissa Sosa, eine Mischung aus den helfenden Frauen der TV-Serie (Amy Allen etc.) und gleichzeitig der verfolgenden Militärpolizei, charmant dargestellt von Jessica Biel.

Überraschend: Die Gruppendynamik innerhalb des A-Teams spielt eine untergeordnete Rolle. Abgesehen von ein paar lockeren Sprüchen sieht man die Jungs meistens am Besprechungstisch oder in Aktion. Dabei wird das Schmieden der Pläne mit der tatsächlichen Ausführung parallelmontiert, was der Action, die brutaler als zu TV-Zeiten ist, leider öfters den Wind aus den Segeln nimmt. Bedauerlich zudem, dass die Krawallszenen sehr unübersichtlich mit Wackelkamera und Schnittgewitter inszeniert werden und die CGI-Effekte jederzeit als solche erkennbar sind. Im Gegensatz zum A-Team selbst ist die Interaktion in den anderen Gruppen -  CIA-Agenten und Sosas Militärattachés - trotz ungleich geringerer Screentime voller nebensächlich-dummer, aber umso unterhaltsamerer Dialoge. Verkehrte Welt.

Zusätzlich wird die Einfachheit der Geschichte durch andauernde Schauplatzwechsel verschleiert,  trotzdem ist es mit der Logik zu Gunsten einiger Gags nicht weit her. Immerhin verschlägt es das A-Team auch nach Deutschland, obschon nicht viel damit angefangen wird. Der finale (und mäßig clevere) Plan des Teams stammt dann nicht einmal von Hannibal, dem plötzlich nichts mehr einfallen will, sondern von Face, der sich damit tatsächlich in den Vordergrund drängt - Ketzerei!

Das A-Team ist eine in Teilen durchaus gelungene Adaption, die den Stoff angemessen in die Neuzeit transportiert. Jedoch krankt der Film gerade am A-Team selbst und kann zum Ausgleich nur unübersichtliche Action bieten. Schade.

PS: Der "Extended Cut" ist ca. 15 Minuten länger als die mir nicht bekannte Kinofassung und fügt unter anderem kleine Cameoauftritte von Dirk Benedict und  Dwight Schultz ein.

DAS A-TEAM - DER FILM: EXTENDED CUT von Joe Carnahan (R, B), Brian Bloom (B) und Skip Woods (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © 20th Century Fox

Mittwoch, 20. Juni 2012

Phase 7 (Wayne interessiert's?)


Die übersehene Apokalypse: Wie einst die Titelfigur in Shaun of the Dead wundern sich auch Coco (Daniel Hendler) und die schwangere Pipi (Jazmín Stuart) in Phase 7 beim Einkaufen nicht über merkwürdige  Situationen. Erst zu Hause erfahren sie, dass eine Krankheitswelle sich zu einer weltweiten Seuche auszuweiten droht. Und da wird auch schon ihr Wohnhaus unter Quarantäne gestellt. Was macht man nun? Sich nicht von Fernsehberichten und Leuten in Schutzanzügen aus der Ruhe bringen lassen und als einziges Zugeständnis an die Umstände eine Inventur der Lebensmittel durchführen. Das Aussitzen wird leider durch aufdringliche Nachbarn erschwert...

Das junge Protagonistenduo ist Teil der modernen Medien- und Individualgesellschaft: Abgestumpft von den Überdramatisierungen im stets laufenden TV, ist der Kontakt mit den Mitbewohnern für Coco eine nervige Angelegenheit, die er gerne vermeiden würde. Und mit seiner Partnerin Pipi scheint er eher Streit- als Liebesworte auszutauschen. Seine Geisteshaltung des konstanten Schulterzuckens widersteht auch einer verheerenden Krankheit, was Phase 7 zu einem der unaufgeregtesten und gerade dadurch witzigsten Katastrophenfilme machen dürfte. Dabei spitzt sich die Lage im Apartmentblock - dem ausschließlichen Handlungsort - nicht unblutig zu. Wohin sich der Film entwickeln wird, bleibt lange unklar, auch weil der lockere Tonfall den dramatischen Ereignissen gegenübersteht. Phase 7 ist skurril und geruhsam und blickt dem Untergang entspannt bis gleichgültig entgegen.

PHASE 7 von Nicolás Goldbart (R, B), Argentinien 2011, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Koch Media

Samstag, 9. Juni 2012

The Bird People in China (Existentialism Air)


Ein japanischer Büroangestellter (Masahiro Motoki) muss kurzfristig nach China reisen, um dort ein Edelsteinvorkommen zu beurteilen. Die kleine Expedition wird trotz Führer (Makoto "Mako" Iwamatsu) zur Odyssee, auch weil ihn bald ein Yakuza (Renji Ishibashi) begleitet und ihm auf die Finger guckt...

Ein Geschäftsmann mit da Vinci'eskem Fluggerät stellt das Titelmotiv des Films dar, welches einiges vorwegzunehmen scheint. Bei Regisseur Takashi Miike sollte man jedoch immer alles erwarten, blutrünstige Vogelmenschen im Reich der Mitte wären also nicht ausgeschlossen. Für Miike-Kenner ist dieser vermeintliche Wissensvorsprung ein Quell der Spannung, weil man sich stets fragt, zu welchen obskuren Wendungen es vielleicht kommen mag (Miike dreht von Psychohorror wie Audition bis Kinderfilme beinahe alles). Kennt man den Regisseur jedoch nicht, fällt dieser Aspekt natürlich weg und die ausführlich geschilderte Irrfahrt könnte etwas langatmig wirken. Dabei steht Japan für die moderne Effizienzgesellschaft, während das chinesische Hinterland wie der Wilde Westen wirkt - "unzivilisiert", geheimnisvoll, gefährlich? Die japanischen Protagonisten, besonders der aufbrausende Yakuza, geraten schnell an den Rand der Verzweiflung, als die Straßen und Fortbewegungsmittel zunehmend archaischer werden. Ihr heimischer Ortskundiger ist die Mühen der Reise gewohnt und hadert eher mit der Hysterie seiner Schutzbefohlenen. Wenn sich die Gruppe schließlich durch regenverhangene Gebirgswälder schlägt, erinnert dies gar an Aguirre, der Zorn Gottes. The Bird People in China ist jedoch kein Wahnsinnstrip ins Herz der Finsternis, vielmehr verlässt sich der Film eingangs auf Situationskomik.

Ungefähr zur Halbzeit wird dann das Ziel erreicht: Ein kleines Bergdorf, wie aus der Zeit gefallen, in dessen Umland Jade zu finden ist. Eine junge Frau unterrichtet die Kinder im Trockenflug und setzt so die Arbeit ihres toten Großvaters fort - aber mehr um dessen Andenkens Willen, denn wirklich geflogen ist noch niemand. Der Film ändert mit Betreten der Siedlung den Tonfall, wird fast zu einem unaufgeregten Krimi, als die Hauptfiguren die Identität des Großvaters und die Herkunft der Flugschule zu ergründen suchen. Darüber bekommen sie Gewissensbisse, ob sie diese malerische und naturverbundene Enklave der modernen Zivilisation aussetzen sollen, indem sie den Jadeabbau und damit auch den Fortschritt in die Wege leiten. Ausgewogen und leichtfüßig wird diese Frage von The Bird People in China diskutiert, es geht ebenso um Glück, Weltbilder und Lebensentwürfe, um Liebe, Aufrichtigkeit und Folgsamkeit (im asiatischen Raum bekanntlich von großem Stellenwert). Und auch die Völkerverständigung von China und Japan lässt Miike anklingen. Große Fragen, die undramatisch mit dem Glauben an gute Kompromisse beantwortet werden. Das versöhnliche Ende einer Reise mit Fragen, von denen man nicht erwartete, sie sich überhaupt zu stellen. Schön!

THE BIRD PEOPLE IN CHINA von Takashi Miike (R) und Masa Nakamura (B), Japan 1998, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Ascot Elite

Donnerstag, 10. Mai 2012

The Avengers (Supergruppentherapie)


Loki (Tom Hiddleston), verstimmter Halbbruder des außeridischen Donnergotts Thor (Chris Hemsworth), feiert sein Comeback von den Toten auf der Erde, die er mithilfe einer Alienarmee zu unterjochen gedenkt. Agentenboss Nick Fury (Samuel L. Jackson) castet daraufhin eine Superhelden-Supergroup bestehend aus Tony "Iron Man" Stark (Robert Downey Jr.), Steve "Captain America" Rogers (Chris Evans), Bruce "Hulk" Banner (Mark Ruffalo), Natasha "Black Widow" Romanoff (Scarlett Johansson) und Clint "Hawkeye" Barton (Jeremy Renner)...

Das ist er also: Der Blockbuster, auf den die letzten Marvel-Verfilmungen (davon den guten Iron Man und den amüsanten Thor gesehen; die Comics nie gelesen) über Jahre hingearbeitet haben. Ein Schaulaufen von zugleich bekannten Superhelden und Schauspielern. Im Regiestuhl des 220 Millionen Dollar teuren Films durfte Joss Whedon Platz nehmen, der dank Buffy und Firefly viel Nerd Credibility besitzt. The Avengers ist erst sein zweiter Kinofilm, aber die Erfolge als Comicautor für Marvel haben offensichtlich mögliche Bedenken fortgewischt. Zum Glück! Denn die schwere Aufgabe, eine Vielzahl bedeutender Charaktere, eine Riesenproduktion und künstlerische Integrität zu vereinen, gelingt Whedon weitgehend eindrucksvoll.

The Avengers ist schwerlich ein Charakterdrama, aber besonders nach der actionreichen Einleitung nimmt sich Whedon erstaunlich lange Zeit für die Figuren. Dieser Teil gerät zwar sehr redelastig, aber die geschliffenen Wortgefechte der noch uneinigen Superhelden unterhalten vorzüglich, obschon das Dauerfeuer an rhetorischen Angriffen und lustigen Onelinern kaum noch real wirkt. Die Spielfreude der Hauptdarsteller, die alle genügend Raum bekommen, ist jederzeit sichtbar, vielleicht weil sie spürten, dass sie eben nicht nur als Aufhänger für kommende Materialschlachten fungieren sollen. So sind es dann insbesondere kurze Szenen, beiläufige Erklärungen und kleine Gags, die The Avengers aus dem Michael-Bay-Sumpf geradezu herauskatapultieren.

Die Action selbst ist zudem gekonnt inszeniert und übersichtlich choreografiert, die obligatorische Demolierung einer US-Großstadt funktioniert wahrscheinlich in jedem Blockbuster. Hier offeriert The Avengers keine nie gesehenen Bilder und scheint an einer ausgewalzten Zerstörungsdarstellung nicht allzu sehr interessiert. Dies bedeutet jedoch leider auch, dass menschliche Opfer nicht gezeigt werden, während die Alienhorden, über die man kaum etwas erfährt noch sie in Ruhe betrachten kann, durchaus explizit zerlegt werden. Das US-Militär kann sich übrigens nicht in Szene setzen und die Regierung kommt auch nicht gut weg. Alles wird mit nahezu perfekten Spezialeffekten präsentiert, welche jedoch etwas in Mitleidenschaft gezogen werden: Der Film wurde zwar recht gelungen nachträglich 3D-konvertiert, aber bei schneller Action und dunklen Szenen ergibt sich schlicht kein gutes, dafür ein unübersichtliches Bild (außerdem wirken Figuren teils wie Fremdkörper). Mittlerweile hat man als Kinogänger leider auch immer seltener die Wahl, so läuft The Avengers nur in wenigen Kinos in 2D.

Dass der Plot an sich eher simpel und innovationsarm ist, sei verziehen, auch weil die Logik bis auf wenige Ausnahmen* im ausführlichen, aber etwas abrupt beendeten Finale gewahrt bleibt. Viel mehr konnte Joss Whedon wohl kaum herausholen. Somit ist The Avengers ein homogener, durchaus einsteigerfreundlicher Genrefilm, die neue Referenz im Superhelden-Krawallkino und ein Beweis, dass Special-Effects-Blockbuster auch ohne abgeschaltetem Hirn funktionieren können - nein, sollen.

* Kleine Spoiler: Die Alieninvasion hätte auch ohne die Avengers eigentlich wenig Aussicht auf Erfolg gehabt (Iron Sky thematisierte dies passend) und wieso vermag Bruce Banner plötzlich den Hulk in sich zu steuern? 

MARVEL'S THE AVENGERS von Joss Whedon (R, B), USA 2012, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Walt Disney/Marvel