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Sonntag, 23. Juni 2013

Shortcuts: Faster, Long Weekend & Snowman's Land

Faster


Der schauspielende Wrestler bzw. wrestlende Schauspieler Dwayne "The Rock" Johnson ist ein charismatischer Muskelprotz, der aufgrund seines Showtalents oft bloß in harmlosen Actionkomödien auftritt. Leider! Härtere Kost ist Mangelware - und Faster eine angenehme Ausnahme. Gerade aus dem Knast entlassen, verteilt Johnsons namenlose Figur bereits Kopfschüsse zum Start einer schnörkellosen Blutrache, deren Hintergründe sich erst nach und nach offenbaren. An seine Fersen heften sich ein abgewrackter Cop (Billy Bob Thornton) und ein Auftragskiller (Oliver Jackson-Cohen), dessen Part wirkt jedoch vom Film entrückt, seine Luxuswelt ist ein zu starker Kontrast. Viele Nebenrollen sind mit bekannten Gesichtern besetzt, die Frauen (Carla Gugino, Maggie Grace, Moon Bloodgood, Jennifer Carpenter) alle attraktiv, doch kaum aktiv, fungieren immerhin als Motivation für die Männer. Faster ist stilsicher und treibend inszeniert, verliert sich dabei hin und wieder in zu gewollter Coolness, auch wegen oder trotz des Einsatzes toller, aber zu bekannter Lieder (die Filmmusik von Clint Mansell gefällt). Schade, dass Actionszenen gar nicht so zahlreich vorkommen und die Geschichte zwar überraschend düstere Themen streift, trotzdem ein doch eher versöhnliches Ende nimmt. Es geht noch konsequenter, Dwayne!

FASTER von George Tillman Jr. (R), Tony Gayton (B) und Joe Gayton (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ 

Long Weekend


Peter (Jim Caviezel) möchte seine Ehe mit Carla (Claudia Karvan) durch einen Surf- und Campingausflug kitten. Dass Carla gar keine Lust auf Zelten und Wellenreiten hat, erschwert dieses Ansinnen. Der Film legt auf dem Weg zum versteckten und verlassenen Strand typische Horrorfährten: Wortkarge Hinterwäldler, zugewucherte Privatwege, Ausfall der Elektronik. Doch im Fokus bleibt der pulsierende Streit des Paares, dessen Ursache noch nicht ersichtlich ist. Die Beiden würdigen selten die malerische Natur und diese scheint sich zu verändern mit aggressiven Tieren, Kadavern und Zeichen von Umweltverschmutzung. Long Weekend verläuft lange Zeit unaufgeregt, was zu Unbehagen über die Hintergründe und Richtung der Geschehnisse führt. Die Eskalation ist schließlich unvermeidlich und in ihrer Art dann leider vorhersehbar. Eine 10.000-Dollar-Ausrüstung hat Peter hochmütig ins Feld geführt, aber auch damit lässt sich die Natur nicht Untertan machen, sondern wird vielmehr herausgefordert...

LONG WEEKEND von Jamie Blanks (R) und Everett De Roche (B), Australien 2008, IMDb, RT, FZ

Snowman's Land


Der schrullige Killer Walter (Jürgen Rißmann) muss nach einem suboptimal verlaufenen Auftrag in der osteuropäischen Provinz untertauchen und dort mit seinem aufgekratzten Kollegen Micky (Thomas Wodianka) das Anwesen von Gangsterlegende Berger (Reiner Schöne) hüten. Unfälle und Missverständnisse lassen die Lage im abgeschiedenen Wintertal alsbald eskalieren. Snowman's Land punktet mit seinen Figuren, jedoch passen die Schauspielleistungen nicht immer zu den auf (zu) locker oder natürlich gebürsteten Dialogen; Reiner Schöne ist hingegen brillant. Bei der Inszenierung der schwarzen Komödie irritieren die eher nervige Musik sowie seltene MAZ-Einspieler und Voice-overs. Insgesamt aber recht unterhaltsam, auch weil der Film nicht allzu "typisch deutsch" wirkt.

SNOWMAN'S LAND von Tomasz Thomson (R, B), Deutschland 2010, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 14. April 2013

Shortcuts: In der Hitze von L.A., Julia X & The Dead Outside

In der Hitze von L.A.


Der deutsche Filmtitel ist ebenso verfehlt wie "heiße Tamale", die Übersetzung des Originalnamens, denn Erotik und Essen sind nur Randerscheinungen - nackte Tatsachen und Lateinamerikaner kommen immerhin vor. Von einer tieferen Bedeutung des Titels braucht man nicht auszugehen, schließlich spielte Regisseur Michael Damian sein Leben lang in einer Daily Soap mit und Protagonist Harlan wird von Randy Spelling dargestellt, dem Sohn des TV-Produzenten Aaron Spelling. Aus dessen Serie Beverly Hills, 90210 schaut Jason Priestley für einen kurzen Gastauftritt vorbei, auch sonst sieht man ein paar bekannte Gesichter in Nebenrollen. Am Ende holt sich Carmen Electra noch ihre schnell verdiente Gage ab und damit war das Budget aufgezehrt: Die Polizei muss in normalen Autos herumfahren, Streifenwagen waren nicht mehr drin. Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Harlans Vaters, wird jedoch alsbald vergessen. So macht sich der Spross vom Lande auf in die große Stadt, um dort sein Glück zu finden. Alle Klischees erfüllend landet der Salsa-Schlagzeuger (!) ohne größere Probleme in einer Band und kommt im Vorbeigehen mit der attraktiven Tuesday (Diora Baird) zusammen. Harlan gerät aber in den Fokus von zwei Gangstern, die schließlich seine Freundin entführen, womit Diora Baird dann auch öfters abwesend ist bzw. nicht bezahlt werden musste. Doch trotz der einfallslosen Handlung und einer zu gewollt wirkenden Kamera und Montage wartet In der Hitze von L.A. mit überraschend lockeren Sprüchen und lustigen Szenen auf, was den stets durchschaubaren Film kaum langweilig werden lässt.

IN DER HITZE VON L.A. bzw. HOT TAMALE von Michael Damian (R, B) und Janeen Damian (B), USA 2006, IMDb, RT, FZ

Julia X


Kevin Sorbo entlarvte in der Werbung falschen "Jim Beam" und prügelte sich später als Hercules mit altertümlichen Göttern und Sagengestalten. In Julia X entpuppt er sich bald als Triebtäter und bei dessen Darstellung hat der meist auf Helden abonnierte Sorbo sichtbar Spaß. Vielleicht auch, weil der Killer sehr entspannt und gut gelaunt zu Werke geht. Dies ist aber leider seiner Bedrohlichkeit abträglich, steigert dagegen den Unterhaltungswert, wenn er seinem Blind-Date-Opfer Julia (Valerie Azlynn) entgegenschleudert: "Meine Manieren sind nicht mehr die allerbesten, aber dumme Fotzen wie du sind daran Schuld!" Pech für ihn, dass die "Fotzen" alsbald den Spieß umdrehen und sich eine Art extremer Rosenkrieg entspinnt. Dabei scheint das Geschehen von der Außenwelt entkoppelt und niemand nimmt Notiz von den blutigen Auseinandersetzungen. Probleme bekommt Julia X durch seine Unentschlossenheit: Nominell eine schwarze Horrorkomödie, jedoch sowohl nicht witzig als auch nicht erschreckend genug. Und viel zu ausführliche Versuche, die Charaktere mit Tiefe zu füllen, führen ebenso ins Leere. Desinteresse an den Figuren, der durchaus wendungsreichen Geschichte und damit dem Film ist die Folge.

JULIA X von P. J. Pettiette (R) und Matt Cunningham (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ

The Dead Outside


Eine Seuche greift um sich, lässt die Infizierten wahnhaft herumirren und aggressiv nach Hilfe verlangen. Die Zivilisation ist wohl noch nicht untergegangen, auf dem englischen Land aber bereits abwesend. Daniel (Alton Milne) sucht Unterschlupf in einem Haus und trifft dort auf die verschlossene April (Sandra Louise Douglas). Die Zweckgemeinschaft harrt der Dinge, bis eine Außenstehende (Sharon Osdin) auftaucht und das Gleichgewicht bedroht. The Dead Outside ist ein unspektakuläres Kammerspiel, welches die psychischen Belastungen nur anreißt und zudem die interessante Idee der irrsinnigen, aber zu unbedrohlichen "Zombies" kaum beleuchtet. Stattdessen nerven eingestreute Erinnerungen und Halluzinationen sowie eine wackelige Kameraarbeit. Die farbarme Digitaloptik kippt bisweilen gar ins Experiementelle mit harten Kontrasten, Unschärfen und unübersichtlichen Zooms. Was den langweiligsam erzählten, stellenweise recht atmosphärischen Film dann völlig abstürzen lässt, ist die groteske deutsche Synchronisation; die absurde Betonung macht die Dialoge zu dilettantischen Sprechübungen. Doch auch ohne diese Ausfälle ist der Wille der Macher zwar erkennbar, findet sich jedoch viel zu selten im Film wieder.

THE DEAD OUTSIDE von Kerry Anne Mullaney (R, B) und Kris R. Bird (B), UK 2008, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 31. März 2013

Shortcuts: Argo, Gnade & Kiss Kiss Bang Bang

Argo


Drei Oscars bekam Ben Afflecks dritte Regiearbeit Argo, inklusive "Bester Film" - für mich nur erklärbar durch den sehr amerikanischen Hintergrund: In den USA dürfte die Geiselnahme von Teheran weit bekannter als im Ausland sein, in deren Umfeld die CIA einige untergetauchte Amerikaner im Rahmen eines vorgegaukelten Filmdrehs aus dem Iran schmuggelte. Nach einem eindrucksvollen Beginn schildert Argo die Entwicklung und Vorbereitung des wahnwitzigen Plans, was zugleich einen Einblick in die Filmwirtschaft Ende der 1970er und Anfang der 80er gewährt. Der Film krankt trotz gediegener Inszenierung mit ausgewaschenen und grobkörnigen Bildern und einer authentisch wirkenden Ausstattung jedoch an der Dramatik seiner Ereignisse. Zum einen wird der vorgebliche Film (Science Fiction!) gar nicht gedreht, zum anderen ist der Verlauf der Aktion überraschend unspannend. Stolpersteine sind als solche klar erkennbar, die tatsächliche Flucht verläuft dann trotzdem zügig und glatt. Dies mag alles der realen Vorlage geschuldet sein, aber Argo ist eben keine Dokumentation und das Bedrohungsgefühl bei dem durchgehend feindseligen Umfeld schlicht zu gering.

ARGO von Ben Affleck (R) und Chris Terrio (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Gnade


Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmayr) wandern mit ihrem Sohn Markus (Henry Stange) aus beruflichen Gründen nach Norwegen aus. Der finstere Winter schlägt bald aufs Gemüt, auch weil sich die Familienmitglieder unterschiedlich schnell einleben. Doch dann überfährt Maria ein Mädchen und begeht Fahrerflucht... Gnade heißt der dreisprachige Film und diese wird der Familie nicht verwehrt. Ein hochemotionaler Leidensweg dahin bleibt jedoch aus, stattdessen wechseln sich die Charaktere regelmäßig als Unsympathen ab - das Mitgefühl des Zuschauers ist entsprechend gering. Hinzu kommt eine ziellose Episode um den Sohn, die an Benny's Video erinnert, aber zu losgelöst vom Rest des Films verläuft. So bleiben nur schöne Naturaufnahmen sowie knarzendes Holz und heulender Wind im winterlichen Norwegen. Und eine erschütternd unbeholfene Kommentierung der Filmhandlung durch ein Konzert im Rahmen eines weiteren überflüssigen Erzählstrangs.

GNADE von Matthias Glasner (R) und Kim Fupz Aakeson (B), Deutschland 2012, IMDb, RT, FZ

Kiss Kiss Bang Bang


Der eher trottelige Kleinkriminelle Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) landet zufällig als Schauspieler in Los Angeles und bald darauf mitten in einem vertrackten Mordfall, den er zusammen mit dem abgeklärten Privatdetektiv "Gay" Perry van Shrike (Val Kilmer) zu überstehen und aufzuklären versucht. Downey Juniors damaliger Comeback-Film ist gleichzeitig das Regiedebüt von Shane Black, der erst mit Iron Man 3 wieder als Regisseur tätig wurde. Sein empfehlenswerter Kiss Kiss Bang Bang ist eine clever konstruierte Groschenroman-Krimikomödie mit so spielfreudigen wie gegensätzlichen Protagonisten und schwarzem Humor, weist aber auch manch düstere Untertöne wie Kindesmissbrauch auf.

KISS KISS BANG BANG von Shane Black (R, B), USA 2005, IMDb, RT, FZ

Freitag, 29. März 2013

Shortcuts: Die Rache des weißen Indianers, On the Run & The Devil's Rock

Die Rache des weißen Indianers


Enzo G. Castellari schuf 1976 mit Keoma den endgültigen Italowestern, der Stil und Narration des Subgenres verdichtete und zudem mit Django-Darsteller Franco Nero aufwarten konnte. Fast 20 Jahre später entstand diese indirekte Fortsetzung in einer Zeit, in der Filme im Wilden Westen keine bedeutende Rolle mehr spielten. So gerät Die Rache des weißen Indianers zu einem Abgesang auf das gesamte Genre, wie einst der Italowestern eine Dekonstruktion des US-Westerns war. Statt Revolverheldentum herrscht nun eine von Der mit dem Wolf tanzt inspirierte Naturromantik: Der Protagonist Jonathan (Franco Nero) wuchs nach dem gewaltsamen Tod seiner Eltern durch Banditen bei Indianern auf und hatte zudem einen Bären zum Freund. Sein Leben lang jagte er dann die damaligen Mörder und galt unter Weißen stets als Außenseiter. Auf seine Kindheit verwendet der Film sehr viel Zeit, Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander, als Jonathan in seine Heimat zurückkehrt. Dieses Stilmittel kam auch schon in Keoma zum Einsatz, leider wird sonst kaum etwas übernommen - keine verspielte Bildmontage, harte Action oder lockeren Sprüche. Gleichzeitig ist der zähe Einstieg für die Handlung nicht so wichtig, wie ihm Platz eingeräumt wird, mag aber verdeutlichen, was durch den technischen Fortschritt verloren zu gehen droht. Denn auf dem Gebiet von Jonathans Indianerstamm wurde Öl gefunden und ein "zivilisierter" Geschäftsmann (John Saxon) kommt in das benachbarte Dorf, um die Bewohner der heruntergekommenen Siedlung auf die rücksichtslose Ausbeutung des schwarzen Goldes einzuschwören. Zufällig ist er auch einer der Mörder von Jonathans Eltern, räumt aber paradoxerweise erst einmal eine Menge anderer Widersacher von Jonathan mit seinen eigenen Handlangern aus dem Weg. Eine große Konfrontation zwischen Indianern und Weißen ist unausweichlich und nachdem sich Staub sowie Pulverdampf gelegt haben und die Kamera lieber stürzende Pferde als sterbende Menschen zeigte, ist das Dorf vom Mann entvölkert. Es werden jedoch immer welche wiederkommen, meint die Oberhure und lässt den Saloon mit einem archaischen Staubsauger reinigen. Aus der Zeit gefallen ist Die Rache des weißen Indianers ein interessanter Post-mortem-Blick aufs Genre, jedoch nie so entfesselt oder grotesk wie zu dessen Hochzeit ein Viertel Jahrhundert früher.

DIE RACHE DES WEISSEN INDIANDERS bzw. JONATHAN DEGLI ORSI von Enzo G. Castellari (R, B) und Lorenzo De Luca (B), Italien/Russland 1994, IMDb, RT, FZ

On the Run


Franck Adrien (Albert Dupontel) sitzt im Knast und harrt seiner nahenden Entlassung, um die draußen versteckte Beute mit seiner Familie zu genießen. Doch er vertraut den falschen Leuten und muss bald ausbrechen. On the Run ist unübersehbar französisch: Markante und gestandene Männer, schöne Frauen, helle Farben, aber stets düstere Abgründe am Bildrand. Leider schielt der Film zu sehr auf den Mainstream und untergräbt fortwährend seine unangenehmen und brutalen Szenen. Und die Flucht vor der Polizei ist schon sehr konstruiert, wenn man beispielsweise die Trefferausbeute bei Schießereien betrachtet. Das nachgeschobene Happy End passt dazu perfekt, leider.

ON THE RUN bzw. LA PROIE von Eric Valette (R), Laurent Turner (B) und Luc Bossi (B), Frankreich 2011, IMDb, RT, FZ

The Devil's Rock


Kurz vor dem D-Day: Captain Grogan (Craig Hall) und Sergeant Tane (Karlos Drinkwater) sollen die deutsche Geschützstellung auf einer einsamen Insel sprengen. Doch irgend etwas scheint dort vorgefallen zu sein bei all dem Blut und den Schreien. Und der letzte überlebende Nazi Meyer (Matthew Sunderland) warnt vor einer angeketteten Frau (Gina Varela)... Mal wieder Nazis und Dämonen, mal wieder nicht gelungen! Der atmosphärische und ruhige Beginn mit unheimlicher Musik lässt noch hoffen, aber schon bald versandet das höllische Kammerspiel. Was genau vor dem Eintreffen der Protagonisten passierte, bleibt auch unklar. Eine Menge zerfetzter Körper täuscht nur kurz darüber hinweg, dass das Budget kaum Splattereffekte hergab. Selbst der - keine Überraschung - weibliche Dämon ist meistens von menschlicher Gestalt und verwandelt sich außerhalb der Kamera. Der Machtkampf der Beteiligten und die Verwirrspiele der Dämonin sind durchschaubar und abwechslungsarm. Kaum mehr als ein aufgeblasener Kurzfilm.

THE DEVIL'S ROCK von Paul Campion (R, B), Paul Finch (B) und Brett Ihaka (B), Neuseeland 2011, IMDb, RT, FZ

Donnerstag, 7. Februar 2013

Shortcuts: Cat Run, Six Bullets & Ted

Cat Run


Catalina (Paz Vega) ist auf der Flucht, nachdem sie Zeugin wurde, wie ein korrupter Politiker (Christopher McDonald) im Lustrausch eine Edelhure erdrosselte. Nach einigen Irrungen und Wirrungen helfen ihr die selbsternannten Detektive Anthony (Scott Mechlowicz) und Julian (Alphonso McAuley) im Kampf gegen eine brutale Auftragsmörderin (Janet McTeer). Cat Run ist ein fehlgeleiteter Film: Die fluffigen Dialoge der Hobbyschnüffler sind bisweilen spaßig, doch der Buddy-Humor wirkt aufgesetzt und altbacken (z.B. quirliger Schwarzer mit Fiepssynchro). Als merkwürdigen Kontrast gibt es harte Gewaltszenen, die rücksichtslose Killerin macht keine halbe Sachen bzw. doch... Sie wechselt schließlich die Seiten, wird sogleich als Sympathieträgerin umgezeichnet und vom Protagonistentrio schnell akzeptiert - völlig unglaubwürdig angesichts ihrer Taten. Anthony macht auch eine Metamorphose durch: Anfangs ein nervig allwissender Sherlock-Holmes-Verschnitt, setzt er schließlich seine Brille ab, schmiert sich Gel ins Haar und ist dadurch sofort, äh, cool. Bis dahin zieht sich der gefällig fotografierte Film trotz überschaubarer Laufzeit hin, weil es zwar fortwährend Schauplatzwechsel in ganz Europa gibt, aber bis die Detektive überhaupt mit Catalina vereint sind, dauert es zu lange. Unentschieden in seiner Identität bleibt Cat Run eine Sammlung mal mehr und mal weniger gelungener Szenen und Charaktere.

CAT RUN von John Stockwell (R), Nick Ball (B) und John Niven (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ


Six Bullets


Jean-Claude Van Damme spielt den ehemaligen Söldner Samson Gaul (!), der seinen Lebensunterhalt mit dem Befreien von Entführungsopfern bestreitet. Eingangs rettet er einen Jungen aus einer unangenehmen Pädophilenvilla, bei der anschließenden Flucht sterben Unschuldige und diese Bilder verfolgen ihn seitdem. Derweil will der MMA-Kämpfer Andrew (Joe Flanigan) sein Comeback in Osteuropa einleiten, doch seine Tochter Becky (Charlotte Beaumont) wird aus dem Hotel entführt und die Polizei findet keine heiße Spur. JCVD ist ihre letzte Hoffnung, doch der Gebrochene weist die Eltern ab und widmet sich lieber seiner ranzigen Fleischerei. Daraufhin spielt er für längere Zeit keine große Rolle mehr und Andrew stellt eigenmächtig unbeholfene Ermittlungen an. Weil es klar ist, dass Van Damme schlussendlich helfen wird, gerät dieser ausgeprägte Zwischenpart zu weitgehend uninteressantem Füllmaterial - wie so oft bei Direct-to-DVD-Actionfilmen. Irgendwann legt Jean-Claude dann los und zeigt absolut keine Rücksicht mit den widerlichen Kinderschiebern. Beim finalen Sturm auf den schurkischen Unterschlupf verhalten sich alle Beteiligten recht beschränkt, besonders die Schufte, die JCVD erst anlocken, aber dann panisch feststellen: "Das ist der Metzger, der hat ein ganzes Arsenal dabei! Mit dem haben wir nicht gerechntet!" Und dann greift der auch noch tief in die Trickkiste, erklärt's aber zum Glück ausführlich, bevor den Bösewichten das Lebenslicht ausgeblasen wird. Die Action ist zwar von angemessener Härte, aber angesichts von fast zwei Stunden Laufzeit zu selten, zumal Charakterentwicklungen auch überschaubar bleiben. Warum müssen diese kleinen Actionfilme oft derart lang sein und dabei so viel Leerlauf aufweisen? Und Joe Flanigan (Stargate Atlantis) ist übrigens viel zu schmächtig für einen Kampfsportler und kommt stellenweise selbst wie einer der Schmierlappen rüber, die seine Tochter kidnappten.

SIX BULLETS bzw. 6 BULLETS von Ernie Barbarash (R), Chad Law (B) und Evan Law (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ


Ted


Eine typische Komödie, die niemandem weh tut und gemächlich vor sich hinplätschert: Die halbwegs clevere Idee eines lebendigen Teddybären, der mit "Erwachsenwerden" wie sein Besitzer und bester Freund unanständig rumdrogt und -hurt, reicht für einige gelungene Witze, aber besonders komisch oder kreativ ist der Film nie. Vielleicht auch, weil er eine moralisierende Geschichte um ewig junge Erwachsene abspult, die sich endlich dem Leben stellen sollen/müssen und entsprechend eine Entscheidung zu treffen haben (hier: kiffen mit Ted oder ficken mit Mila Kunis). Der Verlauf des eher braven Films ist daher weitgehend klischeehaft und vorhersehbar. Zudem ist das (Gag-)Tempo gelegentlich erstaunlich niedrig, z.B. beim Höhepunkt des Films, einer Privatparty mit Auftritt von Sam J. Jones. Das ist der Darsteller von Flash Gordon aus dem herrlich bekloppten SF-Film von 1980 und er spielt sich selbst. Solch nostalgischen Cameo-Auftritte funktionieren eigentlich immer, sind aber schlicht Selbstläufer. Und es hätte mehr gezündet, wenn das DVD-Menü nicht als allererstes Jones zeigen würde. Insgesamt muss man sich bei Ted nicht ärgern oder langweilen, Schmunzler und Lacher sind vorhanden - es bleibt jedoch zu viel Potential ungenutzt. Bis auf den tricktechnisch toll umgesetzten Bären würde man wenig verpassen. "Der Typ von Family Guy hat 'nen Kinofilm gemacht" lautet die platte Tagline - Einladung für die einen, Abschreckung für die anderen.

TED von Seth MacFarlane (R, B), Alec Sulkin (B) und Wellesley Wild (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 16. September 2012

A Lonely Place to Die (Trockenbrotzeit)


Eine Gruppe Bergsteiger findet im schottischen Hochland ein Erdloch mit einem gefangenen Mädchen darin, doch dessen Entführer schlagen blutig zurück. Mehr muss vorerst zum Inhalt nicht gesagt werden und das beeindruckende Gebirgspanorama samt erster Klettereinlagen lassen auf eine spannende Extremjagd über Stock und Stein hoffen. Obligatorisch wird die fünfköpfige Kraxeltruppe näher vorgestellt und es wird deutlich, dass Alison (Melissa George) die Protagonistin ist, während der dauernörgelnden Ed (Ed Speleers) die Geduld der anderen strapaziert, insbesondere die von Alex (Garry Sweeney), der mit Jenny (Kate Magowan), dem Hottie der Bergfreunde, zusammen ist. Psychologische Spannungen liegen in der Luft. Dann wird das Mädchen Anna (Holly Boyd) gefunden und die Gruppe trennt sich, um schneller die Polizei im nächsten Dorf benachrichtigen zu können - Handys funktionieren natürlich nicht.

Gelungen irreführend erfolgt der Auftritt der Entführer (Sean Harris und Stephen McCole), die zufällig in der Nähe sind und mal eben ein paar Wilddiebe killen. Denn ohne deren Gewehre würde der Film nicht funktionieren. Unsere Bergsteiger wissen noch nicht, dass sie verfolgt werden, und diese Ungewissheit transportiert A Lonely Place to Die ordentlich. Schnell gibt es die ersten Verluste, doch dauert es, bis überhaupt bemerkt wird, dass es keine tödlichen Unfälle waren. Leider entscheidet sich der Film gegen echte Verfolgungsjagden: Die Protagonisten rennen zwar hochdynamisch gefilmt davon, aber die beiden Schufte mit ihren erbeuteten Präzisionsgewehren ballern bloß entspannt hinterher. Von steilen Felswänden und tiefen Abgründen ist alsbald nichts mehr zu sehen, stattdessen ein lichter Gebirgswald. Die angedeuteten psychologischen Konflikten innerhalb der Gruppe entladen sich nicht, jegliche Charakterisierungen zu Beginn verpuffen und emotional bewegt von den Schicksalen ihrer Freunde ist auch niemand.

Das Gebirge ist ein harter und gefährlicher Ort, aber der Film lässt eine gewisse Physis vermissen: Die Gejagten leiden und bluten kaum, ein verstauchter Knöchel ist das Schlimmste, was ihnen passiert (außer halt unter saftigen Blutfontänen erschossen zu werden). Schlussendlich wird das abendliche Dorf erreicht, in dem ein nicht näher erklärtes Straßenfest mit wild bemalten Highlandern und halbnackten Tänzerinnen stattfindet. Zwischenzeitlich wurde noch eine dritte Partei eingeführt, der viel zu viel Zeit gewidmet wird und die Geschichte mit unnötigem Gelaber weiter ausbremst (wahrscheinlich freuten sich die Macher, dass sie Karel Roden verpflichten konnten). In den belebten Gassen laufen sich dann alle Beteiligten andauernd über den Weg, einige Passanten werden zu Kollateralschäden, während sich Alison strunzdumm verhält. Wer auf den typischen Gegenangriff der Heldin nach langem Leiden hofft, wird enttäuscht. Dies kann A Lonely Place to Die aber kaum weiter schaden, zu gewöhnlich und spannungsarm wurde bereits auf das Ende zugegangen. Und wenn einer der Entführer sich dann noch eine Schweinsmaske aufsetzt und mehrmals ein Grunzen (!) beigeschmischt wird, könnte man darüber fast den unsäglichen Einsatz viel zu zahlreicher Zeitlupenszenen vergessen.

30 Sekunden soll der freie Fall dauern, wenn man von der Eiger-Nordwand stürzt, wird einmal gesagt. Ganz so schnell passiert der qualitative Absturz von A Lonely Place to Die nicht, der Aufprall ist aber ähnlich schmerzhaft.

A LONELY PLACE TO DIE - TODESFALLE HIGHLANDS von Julian Gilbey (R, B) und Will Gilbey (B), UK 2011, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Ascot Elite

Samstag, 1. September 2012

Shortcuts: London, London Boulevard & Solomon Kane

London


Syd (Chris Evans) ist am Boden zerstört. Seine Exfreundin London (Jessica Biel) wird wegziehen und gibt heute ihre Abschiedsfeier, die Syd uneingeladen besucht, um sich auf dem Klo zu verstecken und bei Drogen und Alkohol über die gescheiterte Beziehung nachzudenken. London möchte viel, doch erreicht wenig. Die Reflexion über das gemeinsame Leben wird von Rückblenden visualisiert, der Erkenntnisgewinn bleibt aber gering, außer dass Syd irgendwie ein Arsch ist. Die Gespräche, die Syd im luxuriösen Badezimmer vor allem mit seinem neuen Drogenverkäufer Bateman (Jason Statham mit Haaren) führt, bemühen sich zu sehr um Witz, Cleverness, Drama und Emotionen. Fremde verirren sich nie auf die Toilette und der übermäßige Rauschmittelkonsum trägt kaum etwas zur Geschichte oder zur Inszenierung bei (trotz Musik von - wie passend - The Crystal Method). Den Zugang zum Film erschwert weiterhin das unscharfe Yuppie-Millieu der Protagonisten, die jünger sein sollen als die Darsteller aussehen. Immerhin verkneift sich Regisseur und Drehbuchautor Hunter Richards ein Happy End, findet stattdessen einen trotzdem versöhnlichen Abschluss für sein Debüt.

LONDON - LIEBE DES LEBENS? von Hunter Richards (R, B), USA 2005, IMDb, RT, FZ

London Boulevard


Mitchel (Colin Farrell) kommt aus dem Knast frei und will die schiefe Bahn hinter sich lassen. Er bekommt zufällig einen Job als Haushälter/Leibwächter bei der von Paparazzi bedrängten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley), doch der hiesige Gangsterboss Gant (Ray Winstone) will Mitchel nicht ziehen lassen. London Boulevard ist eine prototypische Geschichte aus der britischen Unterwelt und versammelt dazu eine Menge bekannter Gesichter, die gefühlt in allen Filmen dieses Subgenres mitspielen. Dazu viel Britpop, beiläufige Brutalität und Mitchels zwar mit allen Wassern gewaschener, aber schlussendlich doch sinnloser Kampf um einen Neuanfang und alle Klischees sind bedient - zwar für ein Erstlingswerk gekonnt umgesetzt, aber schlicht zu oft (und besser) gesehen. Da hilft auch Colin Farrell nicht, der ob seines schicken Anzugs wie ein Fremdkörper wirkt und eine eher diffuse Beziehung mit Keira Knightley eingeht.

LONDON BOULEVARD von William Monahan (R, B), UK/USA 2010, IMDb, RT, FZ

Solomon Kane


Solomon Kane (James Purefoy im Hugh-Jackman-Modus), eine Figur des Conan-Schöpfers Robert E. Howard, ist ein rücksichtsloser Recke, bis eines Tages der Teufel seine Seele einfordert. Kane schwört daraufhin der Gewalt ab, aber als dämonische Heerscharen das Land verwüsten, muss er wieder zum Schwert greifen. Obwohl der Film während der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert spielt, wirkt das England in Solomon Kane trotz antiker Pistolen wie finsteres Mittelalter - Pest, Hexen, Dreck sowie trost- und farblose Landschaften erinnern an Black Death oder Der letzte Tempelritter. Immerhin sind die Schwertkämpfe angenehm zünftig und nachvollziehbar gefilmt, jedoch ist die Dramaturgie unausgewogen: Die leider geringe Präsenz des Übernatürlichen ist sprunghaft (dem Budget geschuldet?), der Protagonist öfters angeschlagen und auch nie ein mächtiger Dämonenjäger und die gewöhnliche Handlung mündet plötzlich in einem etwas losgelöst wirkenden Finale. Nichtsdestotrotz ein ordentlich inszenierter Vertreter des vornehmlich in Osteuropa gedrehten düsteren Ritterfilms - ohne  Ritter, dafür mit einigen bekannten Darstellern wie Max von Sydow und Alice Krige in (sehr) kleinen Nebenrollen.

SOLOMON KANE von Michael J. Bassett (R, B), Frankreich/Tschechien/UK 2009, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 6. Mai 2012

Contraband (Chill out in Panama)


Mark Wahlberg ist Chris Farraday. Und Chris Farraday ist der beste Schmuggler unter der Sonne, eine Berühmtheit, eine Legende. Doch vor drei Jahren hörte er auf, als sein Vater wegen gleicher Tätigkeiten in den Knast wanderte. Nun ist Chris anständig und hat zwei Kinder mit seiner heißen Frau Kate (Kate Beckinsale). Doch als Kates Bruder Andy (Caleb Landry Jones) lebensgefährlichen Ärger mit dem Gangster Tim (Giovanni Ribisi) bekommt, muss Chris ein letzten Ding durchziehen...

Contraband ist das Remake vom mir unbekannten Reykjavik - Rotterdam, dessen Hauptdarsteller Baltasar Kormákur nun Regie führt. Dies erledigt er auch ganz ordentlich, der Film startet zügig, ist solide inszeniert und bietet mit Panama-Stadt eine interessante Location. Ansonsten ist Contraband jedoch nur leidlich unterhaltsam, was überwiegend an Mark Wahlbergs Charakter festzumachen ist: Chris Farraday ist der Alleskönner. Trotz Jahren der Auszeit kennt er noch alle Schmuggeltricks und Kontaktleute, er ist sofort zurück im Biz. Alle folgenden dramatischen Zuspitzungen haben so wenig Effekt auf ihn wie Blitze auf einen Faraday-Käfig. Fehler seiner Mitstreiter - jovial egal! Gefährliche Schießereien - hang loose! Die entspannte Abenteuerfahrt nach Panama und zurück wird nur unterbrochen, wenn Kate telefonisch davon klagt, wie das Gangsterchefchen Tim sie bedroht. Diese zusätzliche Motivation durch den Schurken ist völlig überflüssig, da Chris den Job auf jeden Fall erledigen will, und dient nur dazu, auch mal wieder Kate Beckinsale zeigen zu können.

Als Heist-Film funktioniert Contraband zudem kaum, da die Planung des Schmuggels schnell abgehakt und die Durchführung recht unspektakulär gerät. Klassisch unvorhergesehene Wendungen verpuffen aufgrund Chris' Überlegenheit in allen Lagen und der genretypische Verräter erstaunt wenig. Interesse an den Figuren besteht eh kaum, was dahingehend schade ist, weil die Nebenrollen mit markanten Darstellern besetzt sind. Ein überraschungs- und spannungsarmer Film.

CONTRABAND von Baltasar Kormákur (R) und Aaron Guzikowski (B), USA/UK/Frankreich 2012, IMDb, RT, FZ. Bildrechte: © Universal Pictures