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Sonntag, 23. Juni 2013

Shortcuts: Faster, Long Weekend & Snowman's Land

Faster


Der schauspielende Wrestler bzw. wrestlende Schauspieler Dwayne "The Rock" Johnson ist ein charismatischer Muskelprotz, der aufgrund seines Showtalents oft bloß in harmlosen Actionkomödien auftritt. Leider! Härtere Kost ist Mangelware - und Faster eine angenehme Ausnahme. Gerade aus dem Knast entlassen, verteilt Johnsons namenlose Figur bereits Kopfschüsse zum Start einer schnörkellosen Blutrache, deren Hintergründe sich erst nach und nach offenbaren. An seine Fersen heften sich ein abgewrackter Cop (Billy Bob Thornton) und ein Auftragskiller (Oliver Jackson-Cohen), dessen Part wirkt jedoch vom Film entrückt, seine Luxuswelt ist ein zu starker Kontrast. Viele Nebenrollen sind mit bekannten Gesichtern besetzt, die Frauen (Carla Gugino, Maggie Grace, Moon Bloodgood, Jennifer Carpenter) alle attraktiv, doch kaum aktiv, fungieren immerhin als Motivation für die Männer. Faster ist stilsicher und treibend inszeniert, verliert sich dabei hin und wieder in zu gewollter Coolness, auch wegen oder trotz des Einsatzes toller, aber zu bekannter Lieder (die Filmmusik von Clint Mansell gefällt). Schade, dass Actionszenen gar nicht so zahlreich vorkommen und die Geschichte zwar überraschend düstere Themen streift, trotzdem ein doch eher versöhnliches Ende nimmt. Es geht noch konsequenter, Dwayne!

FASTER von George Tillman Jr. (R), Tony Gayton (B) und Joe Gayton (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ 

Long Weekend


Peter (Jim Caviezel) möchte seine Ehe mit Carla (Claudia Karvan) durch einen Surf- und Campingausflug kitten. Dass Carla gar keine Lust auf Zelten und Wellenreiten hat, erschwert dieses Ansinnen. Der Film legt auf dem Weg zum versteckten und verlassenen Strand typische Horrorfährten: Wortkarge Hinterwäldler, zugewucherte Privatwege, Ausfall der Elektronik. Doch im Fokus bleibt der pulsierende Streit des Paares, dessen Ursache noch nicht ersichtlich ist. Die Beiden würdigen selten die malerische Natur und diese scheint sich zu verändern mit aggressiven Tieren, Kadavern und Zeichen von Umweltverschmutzung. Long Weekend verläuft lange Zeit unaufgeregt, was zu Unbehagen über die Hintergründe und Richtung der Geschehnisse führt. Die Eskalation ist schließlich unvermeidlich und in ihrer Art dann leider vorhersehbar. Eine 10.000-Dollar-Ausrüstung hat Peter hochmütig ins Feld geführt, aber auch damit lässt sich die Natur nicht Untertan machen, sondern wird vielmehr herausgefordert...

LONG WEEKEND von Jamie Blanks (R) und Everett De Roche (B), Australien 2008, IMDb, RT, FZ

Snowman's Land


Der schrullige Killer Walter (Jürgen Rißmann) muss nach einem suboptimal verlaufenen Auftrag in der osteuropäischen Provinz untertauchen und dort mit seinem aufgekratzten Kollegen Micky (Thomas Wodianka) das Anwesen von Gangsterlegende Berger (Reiner Schöne) hüten. Unfälle und Missverständnisse lassen die Lage im abgeschiedenen Wintertal alsbald eskalieren. Snowman's Land punktet mit seinen Figuren, jedoch passen die Schauspielleistungen nicht immer zu den auf (zu) locker oder natürlich gebürsteten Dialogen; Reiner Schöne ist hingegen brillant. Bei der Inszenierung der schwarzen Komödie irritieren die eher nervige Musik sowie seltene MAZ-Einspieler und Voice-overs. Insgesamt aber recht unterhaltsam, auch weil der Film nicht allzu "typisch deutsch" wirkt.

SNOWMAN'S LAND von Tomasz Thomson (R, B), Deutschland 2010, IMDb, RT, FZ

Montag, 20. Mai 2013

Shortcuts: Invasion, Salt & The Ward

Invasion


Oliver Hirschbiegels erster Hollywood-Film nach seinem internationalen Erfolg Der Untergang. Warum er dafür in ein Remake der gefühlt dutzendfach verfilmten Body Snatchers-Geschichte einwilligte, ist schwer nachvollziehbar. Mit ein wenig Interesse an Science Fiction kennt man zumindest eine der früheren Versionen und damit die zugrunde liegende Handlung, die Invasion nicht wesentlich verändert - Spannung sieht anders aus. Die einzige Unklarheit bleibt daher, wie der Film abschließen wird: Mit einem aufgesetzten Happy End, ächz. Die titelgebende Invasion vollzieht sich zudem schnell und durchschaubar, während die Protagonisten quasi nebenbei und auf geradzu absurde Weise die Wahrheit ergründen. Immerhin: Nicole Kidman als Therapeutin Carol Bennell ist wie aus dem Ei gepellt und Daniel Craig als Wissenschaftler Ben Driscoll noch kein gestählter Agent. Das alles wird kompetent, aber passend zum Inhalt unspektakulär inszeniert. Überflüssig.

INVASION bzw. THE INVASION von Oliver Hirschbiegel (R) und David Kajganich (B), USA 2007, IMDb, RT, FZ

Salt: Extended Cut


Evelyn Salt (Angelina Jolie) ist eine hervorragende CIA-Agentin, die plötzlich als russische Spionin mit Attentatsplänen beschuldigt wird. Um ihren Namen reinzuwaschen und die Hintermänner zu erledigen, entzieht sie sich den Behörden. Dabei spielt der Film recht geschickt mit dem Image von Angelina Jolie und es wird zunehmend unklar, ob sie wirklich eine weiße Weste hat. Das Tempo ist hoch - außer, wenn wieder eine unnötige Rückblende eingeschoben wird - und die eher realistisch gehaltene Action mit meist ordentlich kaschierten Doubles oder CGI-Effekten gelungen. Nur Jolies Kampfszenen lassen etwas Brachialität vermissen, trotz einem guten Mittelmaß aus Kameragewackel und Draufhalten. Die Auflösung offenbart rückblickend einige logische Aussetzer, das Ende gerät aber zufriedenstellend. Der Extended Cut ist dabei endgültiger, der Director's Cut zudem pessimistischer als die Kinofassung.

SALT: EXTENDED CUT von Phillip Noyce (R) und Kurt Wimmer (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ

The Ward


Ach, John Carpenter, deine Genreklassiker sind unvergessen, doch spätestens nach der Jahrtausendwende schien die Kreativität zu schwinden. Obwohl: Einfallslosigkeit konnte dem bizarren Ghosts of Mars von 2001 nicht vorgeworfen werden, es war bloß kein guter Film. Erst neun Jahre später meldete sich der Regisseur mit The Ward zurück - und scheiterte erneut. Ambitionen wurden vorab schon zurückgefahren, die Ausgangslage des Films ist uninspiriert: Kristen (Amber Heard) wird in den spärlich belegten Mädchentrakt einer Irrenanstalt der 60er Jahre eingewiesen. Früh wird enthüllt, dass ein hässliches Geistermädel hinter den jungen Insassinnen her ist und sie (eher unkreativ) mordet. Der Horror in diesem konventionellen Plot wird leider durch ebenso klischeehafte Mittel versucht zu erreichen: billige Schockeffekte in Kombination mit einer manipulativen Kamera. Unheimliche Atmosphäre kann sich kaum entwickeln, alles geht Schlag auf Schlag und passiert auch am helligten Tag. Ein anderes Problem von The Ward: Gerade weil die Geisterangriffe und deren Hintergründe sehr früh klar sind und der Film in einer Psychiatrie spielt, dürfte sicher vieles anders sein, als es einem vorgegaukelt wird. Anders ist es dann zwar, aber nur marginal besser als der Großteil dieses mäßigen Films.

THE WARD von John Carpenter (R), Michael Rasmussen (B) und Shawn Rasmussen (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 14. April 2013

Shortcuts: In der Hitze von L.A., Julia X & The Dead Outside

In der Hitze von L.A.


Der deutsche Filmtitel ist ebenso verfehlt wie "heiße Tamale", die Übersetzung des Originalnamens, denn Erotik und Essen sind nur Randerscheinungen - nackte Tatsachen und Lateinamerikaner kommen immerhin vor. Von einer tieferen Bedeutung des Titels braucht man nicht auszugehen, schließlich spielte Regisseur Michael Damian sein Leben lang in einer Daily Soap mit und Protagonist Harlan wird von Randy Spelling dargestellt, dem Sohn des TV-Produzenten Aaron Spelling. Aus dessen Serie Beverly Hills, 90210 schaut Jason Priestley für einen kurzen Gastauftritt vorbei, auch sonst sieht man ein paar bekannte Gesichter in Nebenrollen. Am Ende holt sich Carmen Electra noch ihre schnell verdiente Gage ab und damit war das Budget aufgezehrt: Die Polizei muss in normalen Autos herumfahren, Streifenwagen waren nicht mehr drin. Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Harlans Vaters, wird jedoch alsbald vergessen. So macht sich der Spross vom Lande auf in die große Stadt, um dort sein Glück zu finden. Alle Klischees erfüllend landet der Salsa-Schlagzeuger (!) ohne größere Probleme in einer Band und kommt im Vorbeigehen mit der attraktiven Tuesday (Diora Baird) zusammen. Harlan gerät aber in den Fokus von zwei Gangstern, die schließlich seine Freundin entführen, womit Diora Baird dann auch öfters abwesend ist bzw. nicht bezahlt werden musste. Doch trotz der einfallslosen Handlung und einer zu gewollt wirkenden Kamera und Montage wartet In der Hitze von L.A. mit überraschend lockeren Sprüchen und lustigen Szenen auf, was den stets durchschaubaren Film kaum langweilig werden lässt.

IN DER HITZE VON L.A. bzw. HOT TAMALE von Michael Damian (R, B) und Janeen Damian (B), USA 2006, IMDb, RT, FZ

Julia X


Kevin Sorbo entlarvte in der Werbung falschen "Jim Beam" und prügelte sich später als Hercules mit altertümlichen Göttern und Sagengestalten. In Julia X entpuppt er sich bald als Triebtäter und bei dessen Darstellung hat der meist auf Helden abonnierte Sorbo sichtbar Spaß. Vielleicht auch, weil der Killer sehr entspannt und gut gelaunt zu Werke geht. Dies ist aber leider seiner Bedrohlichkeit abträglich, steigert dagegen den Unterhaltungswert, wenn er seinem Blind-Date-Opfer Julia (Valerie Azlynn) entgegenschleudert: "Meine Manieren sind nicht mehr die allerbesten, aber dumme Fotzen wie du sind daran Schuld!" Pech für ihn, dass die "Fotzen" alsbald den Spieß umdrehen und sich eine Art extremer Rosenkrieg entspinnt. Dabei scheint das Geschehen von der Außenwelt entkoppelt und niemand nimmt Notiz von den blutigen Auseinandersetzungen. Probleme bekommt Julia X durch seine Unentschlossenheit: Nominell eine schwarze Horrorkomödie, jedoch sowohl nicht witzig als auch nicht erschreckend genug. Und viel zu ausführliche Versuche, die Charaktere mit Tiefe zu füllen, führen ebenso ins Leere. Desinteresse an den Figuren, der durchaus wendungsreichen Geschichte und damit dem Film ist die Folge.

JULIA X von P. J. Pettiette (R) und Matt Cunningham (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ

The Dead Outside


Eine Seuche greift um sich, lässt die Infizierten wahnhaft herumirren und aggressiv nach Hilfe verlangen. Die Zivilisation ist wohl noch nicht untergegangen, auf dem englischen Land aber bereits abwesend. Daniel (Alton Milne) sucht Unterschlupf in einem Haus und trifft dort auf die verschlossene April (Sandra Louise Douglas). Die Zweckgemeinschaft harrt der Dinge, bis eine Außenstehende (Sharon Osdin) auftaucht und das Gleichgewicht bedroht. The Dead Outside ist ein unspektakuläres Kammerspiel, welches die psychischen Belastungen nur anreißt und zudem die interessante Idee der irrsinnigen, aber zu unbedrohlichen "Zombies" kaum beleuchtet. Stattdessen nerven eingestreute Erinnerungen und Halluzinationen sowie eine wackelige Kameraarbeit. Die farbarme Digitaloptik kippt bisweilen gar ins Experiementelle mit harten Kontrasten, Unschärfen und unübersichtlichen Zooms. Was den langweiligsam erzählten, stellenweise recht atmosphärischen Film dann völlig abstürzen lässt, ist die groteske deutsche Synchronisation; die absurde Betonung macht die Dialoge zu dilettantischen Sprechübungen. Doch auch ohne diese Ausfälle ist der Wille der Macher zwar erkennbar, findet sich jedoch viel zu selten im Film wieder.

THE DEAD OUTSIDE von Kerry Anne Mullaney (R, B) und Kris R. Bird (B), UK 2008, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 31. März 2013

Shortcuts: Argo, Gnade & Kiss Kiss Bang Bang

Argo


Drei Oscars bekam Ben Afflecks dritte Regiearbeit Argo, inklusive "Bester Film" - für mich nur erklärbar durch den sehr amerikanischen Hintergrund: In den USA dürfte die Geiselnahme von Teheran weit bekannter als im Ausland sein, in deren Umfeld die CIA einige untergetauchte Amerikaner im Rahmen eines vorgegaukelten Filmdrehs aus dem Iran schmuggelte. Nach einem eindrucksvollen Beginn schildert Argo die Entwicklung und Vorbereitung des wahnwitzigen Plans, was zugleich einen Einblick in die Filmwirtschaft Ende der 1970er und Anfang der 80er gewährt. Der Film krankt trotz gediegener Inszenierung mit ausgewaschenen und grobkörnigen Bildern und einer authentisch wirkenden Ausstattung jedoch an der Dramatik seiner Ereignisse. Zum einen wird der vorgebliche Film (Science Fiction!) gar nicht gedreht, zum anderen ist der Verlauf der Aktion überraschend unspannend. Stolpersteine sind als solche klar erkennbar, die tatsächliche Flucht verläuft dann trotzdem zügig und glatt. Dies mag alles der realen Vorlage geschuldet sein, aber Argo ist eben keine Dokumentation und das Bedrohungsgefühl bei dem durchgehend feindseligen Umfeld schlicht zu gering.

ARGO von Ben Affleck (R) und Chris Terrio (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Gnade


Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmayr) wandern mit ihrem Sohn Markus (Henry Stange) aus beruflichen Gründen nach Norwegen aus. Der finstere Winter schlägt bald aufs Gemüt, auch weil sich die Familienmitglieder unterschiedlich schnell einleben. Doch dann überfährt Maria ein Mädchen und begeht Fahrerflucht... Gnade heißt der dreisprachige Film und diese wird der Familie nicht verwehrt. Ein hochemotionaler Leidensweg dahin bleibt jedoch aus, stattdessen wechseln sich die Charaktere regelmäßig als Unsympathen ab - das Mitgefühl des Zuschauers ist entsprechend gering. Hinzu kommt eine ziellose Episode um den Sohn, die an Benny's Video erinnert, aber zu losgelöst vom Rest des Films verläuft. So bleiben nur schöne Naturaufnahmen sowie knarzendes Holz und heulender Wind im winterlichen Norwegen. Und eine erschütternd unbeholfene Kommentierung der Filmhandlung durch ein Konzert im Rahmen eines weiteren überflüssigen Erzählstrangs.

GNADE von Matthias Glasner (R) und Kim Fupz Aakeson (B), Deutschland 2012, IMDb, RT, FZ

Kiss Kiss Bang Bang


Der eher trottelige Kleinkriminelle Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) landet zufällig als Schauspieler in Los Angeles und bald darauf mitten in einem vertrackten Mordfall, den er zusammen mit dem abgeklärten Privatdetektiv "Gay" Perry van Shrike (Val Kilmer) zu überstehen und aufzuklären versucht. Downey Juniors damaliger Comeback-Film ist gleichzeitig das Regiedebüt von Shane Black, der erst mit Iron Man 3 wieder als Regisseur tätig wurde. Sein empfehlenswerter Kiss Kiss Bang Bang ist eine clever konstruierte Groschenroman-Krimikomödie mit so spielfreudigen wie gegensätzlichen Protagonisten und schwarzem Humor, weist aber auch manch düstere Untertöne wie Kindesmissbrauch auf.

KISS KISS BANG BANG von Shane Black (R, B), USA 2005, IMDb, RT, FZ

Freitag, 29. März 2013

Shortcuts: Die Rache des weißen Indianers, On the Run & The Devil's Rock

Die Rache des weißen Indianers


Enzo G. Castellari schuf 1976 mit Keoma den endgültigen Italowestern, der Stil und Narration des Subgenres verdichtete und zudem mit Django-Darsteller Franco Nero aufwarten konnte. Fast 20 Jahre später entstand diese indirekte Fortsetzung in einer Zeit, in der Filme im Wilden Westen keine bedeutende Rolle mehr spielten. So gerät Die Rache des weißen Indianers zu einem Abgesang auf das gesamte Genre, wie einst der Italowestern eine Dekonstruktion des US-Westerns war. Statt Revolverheldentum herrscht nun eine von Der mit dem Wolf tanzt inspirierte Naturromantik: Der Protagonist Jonathan (Franco Nero) wuchs nach dem gewaltsamen Tod seiner Eltern durch Banditen bei Indianern auf und hatte zudem einen Bären zum Freund. Sein Leben lang jagte er dann die damaligen Mörder und galt unter Weißen stets als Außenseiter. Auf seine Kindheit verwendet der Film sehr viel Zeit, Vergangenheit und Gegenwart fließen ineinander, als Jonathan in seine Heimat zurückkehrt. Dieses Stilmittel kam auch schon in Keoma zum Einsatz, leider wird sonst kaum etwas übernommen - keine verspielte Bildmontage, harte Action oder lockeren Sprüche. Gleichzeitig ist der zähe Einstieg für die Handlung nicht so wichtig, wie ihm Platz eingeräumt wird, mag aber verdeutlichen, was durch den technischen Fortschritt verloren zu gehen droht. Denn auf dem Gebiet von Jonathans Indianerstamm wurde Öl gefunden und ein "zivilisierter" Geschäftsmann (John Saxon) kommt in das benachbarte Dorf, um die Bewohner der heruntergekommenen Siedlung auf die rücksichtslose Ausbeutung des schwarzen Goldes einzuschwören. Zufällig ist er auch einer der Mörder von Jonathans Eltern, räumt aber paradoxerweise erst einmal eine Menge anderer Widersacher von Jonathan mit seinen eigenen Handlangern aus dem Weg. Eine große Konfrontation zwischen Indianern und Weißen ist unausweichlich und nachdem sich Staub sowie Pulverdampf gelegt haben und die Kamera lieber stürzende Pferde als sterbende Menschen zeigte, ist das Dorf vom Mann entvölkert. Es werden jedoch immer welche wiederkommen, meint die Oberhure und lässt den Saloon mit einem archaischen Staubsauger reinigen. Aus der Zeit gefallen ist Die Rache des weißen Indianers ein interessanter Post-mortem-Blick aufs Genre, jedoch nie so entfesselt oder grotesk wie zu dessen Hochzeit ein Viertel Jahrhundert früher.

DIE RACHE DES WEISSEN INDIANDERS bzw. JONATHAN DEGLI ORSI von Enzo G. Castellari (R, B) und Lorenzo De Luca (B), Italien/Russland 1994, IMDb, RT, FZ

On the Run


Franck Adrien (Albert Dupontel) sitzt im Knast und harrt seiner nahenden Entlassung, um die draußen versteckte Beute mit seiner Familie zu genießen. Doch er vertraut den falschen Leuten und muss bald ausbrechen. On the Run ist unübersehbar französisch: Markante und gestandene Männer, schöne Frauen, helle Farben, aber stets düstere Abgründe am Bildrand. Leider schielt der Film zu sehr auf den Mainstream und untergräbt fortwährend seine unangenehmen und brutalen Szenen. Und die Flucht vor der Polizei ist schon sehr konstruiert, wenn man beispielsweise die Trefferausbeute bei Schießereien betrachtet. Das nachgeschobene Happy End passt dazu perfekt, leider.

ON THE RUN bzw. LA PROIE von Eric Valette (R), Laurent Turner (B) und Luc Bossi (B), Frankreich 2011, IMDb, RT, FZ

The Devil's Rock


Kurz vor dem D-Day: Captain Grogan (Craig Hall) und Sergeant Tane (Karlos Drinkwater) sollen die deutsche Geschützstellung auf einer einsamen Insel sprengen. Doch irgend etwas scheint dort vorgefallen zu sein bei all dem Blut und den Schreien. Und der letzte überlebende Nazi Meyer (Matthew Sunderland) warnt vor einer angeketteten Frau (Gina Varela)... Mal wieder Nazis und Dämonen, mal wieder nicht gelungen! Der atmosphärische und ruhige Beginn mit unheimlicher Musik lässt noch hoffen, aber schon bald versandet das höllische Kammerspiel. Was genau vor dem Eintreffen der Protagonisten passierte, bleibt auch unklar. Eine Menge zerfetzter Körper täuscht nur kurz darüber hinweg, dass das Budget kaum Splattereffekte hergab. Selbst der - keine Überraschung - weibliche Dämon ist meistens von menschlicher Gestalt und verwandelt sich außerhalb der Kamera. Der Machtkampf der Beteiligten und die Verwirrspiele der Dämonin sind durchschaubar und abwechslungsarm. Kaum mehr als ein aufgeblasener Kurzfilm.

THE DEVIL'S ROCK von Paul Campion (R, B), Paul Finch (B) und Brett Ihaka (B), Neuseeland 2011, IMDb, RT, FZ

Donnerstag, 7. Februar 2013

Shortcuts: Cat Run, Six Bullets & Ted

Cat Run


Catalina (Paz Vega) ist auf der Flucht, nachdem sie Zeugin wurde, wie ein korrupter Politiker (Christopher McDonald) im Lustrausch eine Edelhure erdrosselte. Nach einigen Irrungen und Wirrungen helfen ihr die selbsternannten Detektive Anthony (Scott Mechlowicz) und Julian (Alphonso McAuley) im Kampf gegen eine brutale Auftragsmörderin (Janet McTeer). Cat Run ist ein fehlgeleiteter Film: Die fluffigen Dialoge der Hobbyschnüffler sind bisweilen spaßig, doch der Buddy-Humor wirkt aufgesetzt und altbacken (z.B. quirliger Schwarzer mit Fiepssynchro). Als merkwürdigen Kontrast gibt es harte Gewaltszenen, die rücksichtslose Killerin macht keine halbe Sachen bzw. doch... Sie wechselt schließlich die Seiten, wird sogleich als Sympathieträgerin umgezeichnet und vom Protagonistentrio schnell akzeptiert - völlig unglaubwürdig angesichts ihrer Taten. Anthony macht auch eine Metamorphose durch: Anfangs ein nervig allwissender Sherlock-Holmes-Verschnitt, setzt er schließlich seine Brille ab, schmiert sich Gel ins Haar und ist dadurch sofort, äh, cool. Bis dahin zieht sich der gefällig fotografierte Film trotz überschaubarer Laufzeit hin, weil es zwar fortwährend Schauplatzwechsel in ganz Europa gibt, aber bis die Detektive überhaupt mit Catalina vereint sind, dauert es zu lange. Unentschieden in seiner Identität bleibt Cat Run eine Sammlung mal mehr und mal weniger gelungener Szenen und Charaktere.

CAT RUN von John Stockwell (R), Nick Ball (B) und John Niven (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ


Six Bullets


Jean-Claude Van Damme spielt den ehemaligen Söldner Samson Gaul (!), der seinen Lebensunterhalt mit dem Befreien von Entführungsopfern bestreitet. Eingangs rettet er einen Jungen aus einer unangenehmen Pädophilenvilla, bei der anschließenden Flucht sterben Unschuldige und diese Bilder verfolgen ihn seitdem. Derweil will der MMA-Kämpfer Andrew (Joe Flanigan) sein Comeback in Osteuropa einleiten, doch seine Tochter Becky (Charlotte Beaumont) wird aus dem Hotel entführt und die Polizei findet keine heiße Spur. JCVD ist ihre letzte Hoffnung, doch der Gebrochene weist die Eltern ab und widmet sich lieber seiner ranzigen Fleischerei. Daraufhin spielt er für längere Zeit keine große Rolle mehr und Andrew stellt eigenmächtig unbeholfene Ermittlungen an. Weil es klar ist, dass Van Damme schlussendlich helfen wird, gerät dieser ausgeprägte Zwischenpart zu weitgehend uninteressantem Füllmaterial - wie so oft bei Direct-to-DVD-Actionfilmen. Irgendwann legt Jean-Claude dann los und zeigt absolut keine Rücksicht mit den widerlichen Kinderschiebern. Beim finalen Sturm auf den schurkischen Unterschlupf verhalten sich alle Beteiligten recht beschränkt, besonders die Schufte, die JCVD erst anlocken, aber dann panisch feststellen: "Das ist der Metzger, der hat ein ganzes Arsenal dabei! Mit dem haben wir nicht gerechntet!" Und dann greift der auch noch tief in die Trickkiste, erklärt's aber zum Glück ausführlich, bevor den Bösewichten das Lebenslicht ausgeblasen wird. Die Action ist zwar von angemessener Härte, aber angesichts von fast zwei Stunden Laufzeit zu selten, zumal Charakterentwicklungen auch überschaubar bleiben. Warum müssen diese kleinen Actionfilme oft derart lang sein und dabei so viel Leerlauf aufweisen? Und Joe Flanigan (Stargate Atlantis) ist übrigens viel zu schmächtig für einen Kampfsportler und kommt stellenweise selbst wie einer der Schmierlappen rüber, die seine Tochter kidnappten.

SIX BULLETS bzw. 6 BULLETS von Ernie Barbarash (R), Chad Law (B) und Evan Law (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ


Ted


Eine typische Komödie, die niemandem weh tut und gemächlich vor sich hinplätschert: Die halbwegs clevere Idee eines lebendigen Teddybären, der mit "Erwachsenwerden" wie sein Besitzer und bester Freund unanständig rumdrogt und -hurt, reicht für einige gelungene Witze, aber besonders komisch oder kreativ ist der Film nie. Vielleicht auch, weil er eine moralisierende Geschichte um ewig junge Erwachsene abspult, die sich endlich dem Leben stellen sollen/müssen und entsprechend eine Entscheidung zu treffen haben (hier: kiffen mit Ted oder ficken mit Mila Kunis). Der Verlauf des eher braven Films ist daher weitgehend klischeehaft und vorhersehbar. Zudem ist das (Gag-)Tempo gelegentlich erstaunlich niedrig, z.B. beim Höhepunkt des Films, einer Privatparty mit Auftritt von Sam J. Jones. Das ist der Darsteller von Flash Gordon aus dem herrlich bekloppten SF-Film von 1980 und er spielt sich selbst. Solch nostalgischen Cameo-Auftritte funktionieren eigentlich immer, sind aber schlicht Selbstläufer. Und es hätte mehr gezündet, wenn das DVD-Menü nicht als allererstes Jones zeigen würde. Insgesamt muss man sich bei Ted nicht ärgern oder langweilen, Schmunzler und Lacher sind vorhanden - es bleibt jedoch zu viel Potential ungenutzt. Bis auf den tricktechnisch toll umgesetzten Bären würde man wenig verpassen. "Der Typ von Family Guy hat 'nen Kinofilm gemacht" lautet die platte Tagline - Einladung für die einen, Abschreckung für die anderen.

TED von Seth MacFarlane (R, B), Alec Sulkin (B) und Wellesley Wild (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Freitag, 30. November 2012

Shortcuts: 21 Jump Street, Night of the Demons & Thale

21 Jump Street


Depp(en)! Von der "kultigen" Jugendserie Ende der 1980er, die ich nie gesehen habe, zu einer chaotischen Kinokomödie - das kann ja heiter werden. Schmidt (Jonah Hill) ist ein Außenseiter an seiner Schule und tritt eingangs im Slim-Shady-Outfit auf. Dies wird natürlich mit Eminem-Mucke unterlegt, damit auch jeder Zuschauer den visuellen Gag versteht. Er und die Sportskanone Jenko (Channing Tatum) treffen sich später auf der Polizeiakademie wieder und helfen sich gegenseitig durch die Ausbildung. Schließlich landen sie aufgrund ihren jungen Aussehens als Undercover-Ermittler an einer High School und sollen einen Drogenring sprengen. Bis dahin muss der viel zu alberne Anfang überstanden werden und der unausgegorene Tonfall des Films wird ein Problem bleiben: Blödelfarce, Schulkomödie, Actionkrimi? Recht gewitzt spielt 21 Jump Street mit früheren und heutigen Jugendtrends und verdreht das typische Streber-Sportler-Schema, bleibt aber meist oberflächlich denn hintersinnig. Gelungen und Highlight des Films sind die abstrusen und unangebrachten Kommentare der Protagonisten, auch als gegen Ende überraschend blutig, aber stets undramatisch herumgeballert wird. Man kann lachen, manchmal.

21 JUMP STREET von Phil Lord (R), Chris Miller (R) und Michael Bacall (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Night of the Demons


Halloween! Maddie (Monica Keena), Lily (Diora Baird) und Suzanne (Bobbi Sue Luther) besuchen die langerwartete Party von Angela (Shannon Elizabeth) in einem leerstehenden Anwesen mit mysteriöser Vergangenheit. Doch nachdem die Polizei den Laden dichtgemacht hat, wollen ein paar Dämonen noch weiterfeiern... Die vollbusigen Darstellerinnen laufen natürlich in entsprechenden Kostümen herum bzw. irren bald kreischend durchs Horrorhaus. Hier ein bisschen Gore, da etwas nackte Haut und dort ein paar nette Monstermasken. Aufregend oder gruselig ist diese dämonische Nacht kaum, setzt auch mehr auf teils ganz lustige Witze. Plötzlich und völlig aufgesetzt wird dann das simple Geschehen haargenau erklärt, denn "die anderen sind jetzt Dämonen. Sie sind nicht mehr die, die wir kannten. Sie sind jetzt böse, sie sind fies, hinterhältig, mordlüstern und pervers". Die Erläuterungen sind jedoch überflüssig, da der Film mit einem passend im Stummfilmstil gedrehten Prolog beginnt - der bereits das Wesentliche vorwegnimmt. Nights of the Demons ist eine klischeehafte und günstige Horrorkomödie, immerhin einigermaßen spaßig samt Schauwerten für männliches Publikum (der aufgedunsene Edward Furlong dürfte das andere Geschlecht dagegen wenig begeistern).

NIGHT OF THE DEMONS von Adam Gierasch (R, B) und Jace Anderson (B), USA 2009, IMDb, RT, FZ

Thale


Schade! Das Filmplakat definiert mal eben den Begriff "Spoiler" neu. Aber ohne dessen Kenntnis entspinnt Thale langsam und wortkarg seine Geschichte von zwei Tatortreinigern (Erlend Nervold und Jon Sigve Skard), die am hellichten Tag - das verrät das Plakat nicht - eine abgelegene Waldhütte säubern müssen. Ein typischer Horroraufbau, aber die Spannung, als die beiden merkwürdige Kellerräume entdecken, wird durch die Entschleunigung und die lakonischen Protagonisten effektvoll verstärkt. Mit der Entdeckung einer jungen Frau (Silje Reinamo) bricht das Unheil immer noch nicht los, während sich Andeutungen mehren. Und dann wusste Regisseur und Autor Aleksander Nordaas offenbar nicht weiter und setzt neben einem bereits etablierten Erzählmittel zusätzlich auf konstruierte Rückblenden - der Erklärbär frisst den Film, der nun mit ausschweifendem und zumindest recht wortgewandtem Voice-over bisweilen gar an Die Wand erinnert. Ein kitschiges Ende darf ebenso wenig fehlen und gegen diese ganzen Fehltritte kommen die poetische Bildgestaltung, schöne Musik, Grundidee und ordentlichen Effekte schwerlich an.

THALE - EIN DUNKLES GEHEIMNIS von Aleksander Nordaas (R, B), Norwegen 2012, IMDb, RT, FZ

Samstag, 17. November 2012

Shortcuts: 30 Days of Night: Dark Days, The Hit List & Transit

30 Days of Night: Dark Days


Die ursprüngliche 2007er Comicverfilmung bot abgesehen von seiner unerträglich hyperaktiven Optik eine interessante Ausgangslage: Vampire griffen eine Siedlung jenseits des Polarkreises an. Davon ist im Nachfolger Dark Days nichts übrig, die einzige Überlebende der dreißigtägigen Blutnacht - Stella - wird nicht mehr von Melissa George, sondern nun von Kiele Sanchez dargestellt und versucht mittlerweile, die Welt über die Untoten aufzuklären. Schnell trifft sie auf eine kleine Vampirjägertruppe (Rhys Coiro, Diora Baird, Harold Perrineau), die von einem völlig überflüssigen Blutsauger menschenfreundlicher Natur (Ben Cotton) bei der Jagd auf eine ebenfalls neu eingeführte Vampirkönigin mit Klischeenamen Lilith (Mia Kirshner) unterstützt wird. Die bösen Vampire hampeln tierhaft in Gothic-Outfits herum, während die Protagonisten sich als die wirklich inkompetentesten Untotenbekämpfer aller Zeiten blamieren. Unterbrochen von ein paar zünftigen Bluteffekten kriecht die nicht verlustfreie Suche nach der Herrscherin zäh durch leere Lagerhallen und marode Schiffsbäuche voran. Selbst in der letzten Szene geht Stella sicher, dass der Zuschauer ihre Dummheit nicht vergisst.

30 DAYS OF NIGHT: DARK DAYS von Ben Ketai (R), Steve Niles (B), Stuart Beattie (B) und Brian Nelson (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ

The Hit List


Cole Hauser (Allan Campbell) ist angepisst: Ein Arbeitskollege klaut seine Idee, vermasselt ihm so die erwartete Beförderung und dann erwischt er seine Freundin (Ginny Weirick) beim Matratzensport mit dem besten Freund. Im Scherz und Suff schreibt er abends in einer Bar die titelgebende Todesliste - doof jedoch, dass der fremde Trinkpartner Jonas Arbor (Cuba Gooding Jr.) tatsächlich ein Auftragsmörder ist und sich sogleich ans Werk macht. Leider wird die Idee des unbewusst angeheuerten Killers nicht ausgereizt, weil Cole niemals zur Handlung gegen den steifbeinig spielenden Cuba Gooding Jr. gezwungen wird, bis zum Finale  (dort dann aber über die Stränge schlägt). So köchelt die Spannung auf Sparflamme bei preisgünstiger und eher unbeholfener Inszenierung mit nur solider, aber überraschend harter Action.

THE HIT LIST von William Kaufman (R), Chad Law (B) und Evan Law (B), USA 2011, IMDb, RT, FZ

Transit


Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter versteckt eine Gangstertruppe notgedrungen ihre Beute im Gepäck einer vierköpfigen Familie, die ihre Probleme beim Camping bereinigen möchte. Leidlich unterhaltsam versuchen die Schufte dann, die Spur der ahnungslosen Familie nicht zu verlieren, und jagen im heißen Schlitten hinterher - wer so ein Auto fährt, ist natürlich cool oder böse oder eben beides. Beim Zusammentreffen der Familie unter Papa Nate (Jim Caviezel) mit Mareks (James Frain) Outlaws (u.a. "DDiora" Baird und Harold Perrineau, nach Dark Days kurzzeitig wiedervereint) kommt es leider kaum zu psychologischen Spannungen, es wird sofort körperlich. Nach unansehnlich zerschnittenen Autounfällen geht die Hatz in den Sümpfen weiter, das liebe Geld führt zu trotzdem schwer nachvollziehbaren Handlungen der Verbrecher und die größte Überraschung bleibt, dass niemand von einem hungrigen Alligator angegriffen wird.

TRANSIT von Antonio Negret (R) und Michael Gilvary (B), USA 2012, IMDb, RT, FZ

Dienstag, 2. Oktober 2012

Shortcuts: Barbarian Queen, Captivity & Sinners and Saints

Barbarian Queen


Das Filmplakat lässt auf eine Conan-Variante oder Amazonen-Exploitation hoffen, geliefert wird die schnarchige Jagd auf einen (sch)mächtigen Despoten, der auf Sklavensuche ein Barbarendorf überfällt. Eine Gruppe schlagkräftiger wie leichtbekleideter Frauen unter Amethea (Lana Clarkson) folgt ihm ohne weitere Zwischenfälle nach Pappmaché City - immerhin recht groß samt vieler Statisten - und zettelt eine dilettantische Rebellion an. Schließlich wird der böse Herrscher vom bereits nach 70 Minuten erscheinenden Abspann erschlagen. Schau- und Unterhaltungswert bietet Barbarian Queen jenseits von ansehnlichen Barbarinnen mit wallenden Mähnen kaum. Schmierige Männer frönen dem Hobby der Vergewaltigung, was durch Zerreißen von Oberteilen und Entblößen von Oberweiten angedeutet wird. In den unblutigen Scharmützeln hampeln alle Beteiligten mit ihren Schwertattrappen herum, die viel zu züchtigen Barbarinnen verlieren regelmäßig all ihre Kampferfahrung, während die Tonspur fleißig kreischendes Metall vorzutäuschen versucht. Überhaupt der (englische) Ton: Qualität und Lautstärke ändern sich fortwährend, Gemurmel vom Band wird häufig genutzt. Neben wenigen abstrusen Szenen sticht noch das lächerliche Schauspiel (Frank Zagarino!) ins Auge und dass jede Szene wohl nur ein einziges Mal gedreht wurde, ungeachtet des Ergebnisses. Barbarisch.

BARBARIAN QUEEN von Héctor Olivera (R) und Howard R. Cohen (B), USA/Argentinien 1985, IMDb, RT, FZ

Captivity


Das Model Jennifer (Elisha Cuthbert) wird von einem Fiesling entführt und muss dessen psychologische und handgreifliche Drangsalierungen erleiden... Nachdem die Saw-Welle schon einige Jahre herumschwappte, versuchte sich Captivity am Genre und wählte einen unausgegorenen (höhö) "Torture Softporn"-Ansatz: Ein paar halbherzige (haha) Ekelszenen, die seltsamerweise bereits früh abgespult werden, sowie verzweifelte Fluchtversuche. Nichts davon gelingt diesem Abklatsch, die Geschichte ist nicht gewitzt, sondern öde. Jennifer nervt mit Wankelmut, aber da sie stets in sexy Klamotten herumläuft, geht die Zuschauersympathie nicht völlig flöten. Vielleicht auch, weil das Publikum schon schläft oder abgeschaltet hat.

CAPTIVITY von Roland Joffé (R), Larry Cohen (B) und Joseph Tura (B), USA/Russland 2007, IMDb, RT, FZ

Sinners and Saints


Zwei Polizisten in New Orleans werden zu einer Festnahme geschickt, albern auf der Autofahrt herum und treffen sich mit ihren taffen Kollegen. Wenige Augenblicke später bricht eine tödliche Schießerei los - Sinners and Saints ist kein lustiges Cop-Buddy-Movie, obwohl Detective Sean Riley (Johnny Strong) bald einen neuen Partner (Kevin Phillips) zugeteilt bekommt. Gemeinsam versuchen sie in den runtergekommenen Teilen der oft ausgestorben wirkenden Stadt eine brutale Mordserie aufzuhalten, die ihre Polizeiarbeit eher zu einem Kriegseinsatz werden lässt. Überhaupt ist der Alltag der Ordnungsmacht auffallend abwesend, das Geschehen findet fast ausnahmslos an Tatorten und auf der Straße statt. Harte Schießereien, inoffizielle Verhöre, rücksichtslose Schufte und ein mitgenommener Protagonist machen aus Sinners and Saints einen spröden Actionreißer, der unter einer deutschen Synchronisation mit zu hellen und hohen Stimmen zu leiden hat.

SINNERS AND SAINTS von William Kaufman (R, B) und Jay Moses (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ

Samstag, 1. September 2012

Shortcuts: London, London Boulevard & Solomon Kane

London


Syd (Chris Evans) ist am Boden zerstört. Seine Exfreundin London (Jessica Biel) wird wegziehen und gibt heute ihre Abschiedsfeier, die Syd uneingeladen besucht, um sich auf dem Klo zu verstecken und bei Drogen und Alkohol über die gescheiterte Beziehung nachzudenken. London möchte viel, doch erreicht wenig. Die Reflexion über das gemeinsame Leben wird von Rückblenden visualisiert, der Erkenntnisgewinn bleibt aber gering, außer dass Syd irgendwie ein Arsch ist. Die Gespräche, die Syd im luxuriösen Badezimmer vor allem mit seinem neuen Drogenverkäufer Bateman (Jason Statham mit Haaren) führt, bemühen sich zu sehr um Witz, Cleverness, Drama und Emotionen. Fremde verirren sich nie auf die Toilette und der übermäßige Rauschmittelkonsum trägt kaum etwas zur Geschichte oder zur Inszenierung bei (trotz Musik von - wie passend - The Crystal Method). Den Zugang zum Film erschwert weiterhin das unscharfe Yuppie-Millieu der Protagonisten, die jünger sein sollen als die Darsteller aussehen. Immerhin verkneift sich Regisseur und Drehbuchautor Hunter Richards ein Happy End, findet stattdessen einen trotzdem versöhnlichen Abschluss für sein Debüt.

LONDON - LIEBE DES LEBENS? von Hunter Richards (R, B), USA 2005, IMDb, RT, FZ

London Boulevard


Mitchel (Colin Farrell) kommt aus dem Knast frei und will die schiefe Bahn hinter sich lassen. Er bekommt zufällig einen Job als Haushälter/Leibwächter bei der von Paparazzi bedrängten Schauspielerin Charlotte (Keira Knightley), doch der hiesige Gangsterboss Gant (Ray Winstone) will Mitchel nicht ziehen lassen. London Boulevard ist eine prototypische Geschichte aus der britischen Unterwelt und versammelt dazu eine Menge bekannter Gesichter, die gefühlt in allen Filmen dieses Subgenres mitspielen. Dazu viel Britpop, beiläufige Brutalität und Mitchels zwar mit allen Wassern gewaschener, aber schlussendlich doch sinnloser Kampf um einen Neuanfang und alle Klischees sind bedient - zwar für ein Erstlingswerk gekonnt umgesetzt, aber schlicht zu oft (und besser) gesehen. Da hilft auch Colin Farrell nicht, der ob seines schicken Anzugs wie ein Fremdkörper wirkt und eine eher diffuse Beziehung mit Keira Knightley eingeht.

LONDON BOULEVARD von William Monahan (R, B), UK/USA 2010, IMDb, RT, FZ

Solomon Kane


Solomon Kane (James Purefoy im Hugh-Jackman-Modus), eine Figur des Conan-Schöpfers Robert E. Howard, ist ein rücksichtsloser Recke, bis eines Tages der Teufel seine Seele einfordert. Kane schwört daraufhin der Gewalt ab, aber als dämonische Heerscharen das Land verwüsten, muss er wieder zum Schwert greifen. Obwohl der Film während der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert spielt, wirkt das England in Solomon Kane trotz antiker Pistolen wie finsteres Mittelalter - Pest, Hexen, Dreck sowie trost- und farblose Landschaften erinnern an Black Death oder Der letzte Tempelritter. Immerhin sind die Schwertkämpfe angenehm zünftig und nachvollziehbar gefilmt, jedoch ist die Dramaturgie unausgewogen: Die leider geringe Präsenz des Übernatürlichen ist sprunghaft (dem Budget geschuldet?), der Protagonist öfters angeschlagen und auch nie ein mächtiger Dämonenjäger und die gewöhnliche Handlung mündet plötzlich in einem etwas losgelöst wirkenden Finale. Nichtsdestotrotz ein ordentlich inszenierter Vertreter des vornehmlich in Osteuropa gedrehten düsteren Ritterfilms - ohne  Ritter, dafür mit einigen bekannten Darstellern wie Max von Sydow und Alice Krige in (sehr) kleinen Nebenrollen.

SOLOMON KANE von Michael J. Bassett (R, B), Frankreich/Tschechien/UK 2009, IMDb, RT, FZ

Sonntag, 8. Juli 2012

Shortcuts: Du gehst nicht allein, Cashback & Point Black

Du gehst nicht allein


Temple Grandin ist eine US-amerikanische Tierwissenschaftlerin, die revolutionäre Nutztierhaltungsanlagen entwarf und an Autismus leidet. Du gehst nicht allein des Fernsehsenders HBO schildert wichtige Phasen ihres Schul- und Universitätsleben. Grandin wird dabei überzeugend von Claire Danes dargestellt, auch wenn das Alter von Figur und Schauspielerin nicht immer zusammenpassen (es ist unverkennbar, wieso Danes später die Hauptrolle in der hochklassigen TV-Serie Homeland bekam). Der Film findet eine gute Balance in der Thematisierung von Grandins Interesse an Tieren und ihres Autismus und verzichtet auf allzu emotionalisierende Szenen. Die bildhafte Wahrnehmung von Grandin wird durch Einblendungen und Fotomontagen visualisiert und lockert die generell entspannte und insgesamt sehenswerte Filmbiografie über Mut und Selbstvertrauen auf.

DU GEHST NICHT ALLEIN bzw. TEMPLE GRANDIN von Mick Jackson (R), Christopher Monger (B) und William Merritt Johnson (B), USA 2010, IMDb, RT, FZ

Cashback


Ben (Sean Biggerstaff) hat sich von seiner Freundin (Michelle Ryan) getrennt. Oder sie von ihm? Seitdem kann er nicht mehr schlafen und arbeitet deswegen in der Nachtschicht eines Supermarkts. Cashback beginnt als  melancholisch angehauchte Trennungskomödie, die den Wunsch nach Vergessen als auch Festhalten der Beziehung beschreibt - je mehr das eine gewollt wird, umso stärker tritt das Gegenteil ein. Bens Schlaflosigkeit führt bald zu diffusen Zeitbeeinflussungen: Er kann die Zeit anhalten und nutzt diese eingefrorenen Momente für seine Malerei. Ansonsten albert er mit seinen skurrilen Arbeitskollegen herum und nähert sich auch einer Mitarbeiterin (Emilia Fox) an. Das alles ist sympathisch, aber die einzelnen Elemente wollen keine rechte Einheit bilden und lassen den Film unterhaltsam, aber unentschlossen auf ein klischeehaftes Ende zulaufen.

CASHBACK von Sean Ellis (R, B), UK 2006, IMDb, RT, FZ

Point Blank


Samuel (Gilles Lellouche) verhindert einen Anschlag auf das zwielichtige Unfallopfer Hugo (Roschdy Zem), worauf seine schwangere Frau Nadia (Elena Anaya) entführt wird. Samuel soll Hugo aus dem Krankenhaus schaffen und bald findet er sich zwischen den Fronten von Polizei und Verbrechern wieder. Point Blank ist ein schnörkelloser Actionfilm in der französischen Halbwelt, in der sich ausdrucksstarke Darsteller die Klinke geben - immer wieder beeindruckend, was für Gesichter in Filmen aus Frankreich auftauchen. Die Action konzentriert sich auf gekonnt inszenierte Verfolgungsjagden und Suchaktionen, reißt jedoch auch nicht vom Hocker. Leider wird die Geschichte schon früh aufgelöst und mündet in einem eher antiklimaktischen Finale.

POINT BLANK bzw. À BOUT PORTANT von Fred Cavayé (R, B) und Guillaume Lemans (B), Frankreich 2010, IMDb, RT, FZ